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XXII. Berliner Wohnungsreformer von 1850-60 V. A. Huber, Prinz Wilhelm, C. W. Hoffmann

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

inspektor in die Regionen der Wasserpolacken und Masuren versetzt, die 
Leiden der Wohnungsnot aus eigener Erfahrung kennen lernen«. Mit 
Hoffmann’s Versetzung fiel auch sein ausgezeichneter Plan eines » Preu- 
Bischen Musterbauvereins, einer Aktiengesellschaft mit einem bedeuten- 
den Kapital und dem Beruf, überall auf Bestellung gemeinnützige Bauten, 
namentlich Kleinwohnungen, Wasch- und Bade-Häuser usw. möglichst 
wohlfeil und zweckmäßig auszuführen und auch sonst zur Gründung 
von Baugesellschaften Anregung und Anleitung zu geben«. Ebenso wie 
Huber schon seit 1837 vergeblich über die » Wohnungsfrage« geschrieben 
hatte, so hatte auch Hoffmann schon 1841 einen vergeblichen Versuch 
zur »Bildung eines Häuserbau-Vereins« gemacht. Gleichzeitig war sein 
Vorschlag eines Preisausschreibens für Arbeiter-Wohnungen vom Berliner 
Architekten-Verein abgelehnt worden, »weil eine solche Aufgabe zu we- 
nig architektonisches Interesse biete «. 
In seiner Schrift »Die Wohnungen der Arbeiter« (1852) kennzeich- 
nete C. W. Hoffmann die arglose Verdummung der Berliner Bürokratie 
mit den Worten: » Ganz abgesehen von aller anderen Not sind die Woh- 
nungsverhältnisse nicht nur bei den Arbeitern und bei den Ärmsten Ber- 
lins, sondern auch in den meisten anderen Volksschichten von der aller- 
erbärmlichsten Art, vergiftete Quellen des traurigsten Siechtums für Leib 
und Seele. Wir wollen den Stab nicht brechen über Diejenigen, welche 
vorzugsweise berufen sind, hier mit aller ihrer Kraft helfend aufzutreten, 
und dies unterlassen. Sie befördern sogar das Umsichgreifen des Verder- 
bens in einer Weise, welche der Vermutung Raum geben könnte, daß 
man die ganze Lebenshaltung einzelner Klassen und mit ihr Staat und 
Kirche, Gesetz und Sitte unterwühlen wolle. Doch aus der Planlosigkeit 
des Treibens und seinem Zusammenhange mit anderen Erscheinungen 
der Zeit geht deutlich hervor, daß jene Arbeiten und Maßregeln nur im- 
mer den allernächsten, gewöhnlich untergeordneten, meist mehr oder 
weniger selbstsüchtigen, oft gleichgültigen Zweck verfolgen. Die weite- 
ren Wirkungen aber — wären sie auch noch so verderblich und gefähr- 
lich — werden ganz unbeachtet gelassen, oft gar nicht geahnt, so daß von 
einer bösen Absicht allerdings nicht die Rede sein kann.« Diese Worte 
C. W. Hoffmann’s liefern die erforderliche Erklärung des abenteuerlichen 
und folgenschweren Unfugs, den bald darauf der Berliner Polizei-Präsident 
mit der Aufstellung des großen Bebauungsplanes verübte, von dem das 
folgende Kapitel berichtet. 
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