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XVIII. Friderizianische und Wilhelminische Denkmäler

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

pflanzungen über einer »tempelartigen Halle, deren Frontispice die 
Höhe des benachbarten Schlosses noch übersteigen«. 
Angesichts der maßstablosen Denkmäler der wilhelminischen Zeit 
muß an das verheißungsvolle Wort Alfred Lichtwark’s erinnert werden, 
der nicht lange vor seinem Tode im Jahre 1914 bei einer Besichtigung 
Berlins versicherte: »Ein großer Teil der modernen amtlichen Architek- 
tur ist nur als mehr oder weniger genialer Versuch, nicht als etwas Ent- 
gültiges aufzufassen; sehr viel davon wird in absehbarer Zeit wieder ab- 
getragen werden.« Eine derartige Neuordnung mancher monumentaler 
Fragen Berlins würde durchaus nichts Revolutionäres oder für irgend je- 
manden Verletzendes haben dürfen. Diejenigen Baudenkmäler, deren 
Wirkung in ihrer gegenwärtigen Umgebung nachträglich und auf die 
Dauer den gehegten Erwartungen nicht entspricht, würden in einer an- 
deren Umgebung vielleicht sehr glücklich wirken. Ein etwas vorschnel- 
ler Anfang in dieser Richtung war die Versetzung von Gontard’s Königs- 
Kolonnaden in den Kleist-Park. Indem so für den Anfang dieser Neuauf- 
stellungen öffentlicher Gebäude ein altes Baudenkmal von unzweifelhaftem 
künstlerischen Range gewählt wurde, ist den nachfolgenden Versetzun- 
gen auch neuerer Gebäude jeder Schatten einer Strafversetzung genom- 
men. Der »Rolandbrunnen«, den Wilhelm 11. vor die Charlottenburger 
»Gedächtniskirche« stellte, nimmt sich heute in Riesenburg (Westpreu- 
ßen) sehr viel besser aus. Wenn sich in der Umgebung Berlins oder im 
Deutschen Reiche kein geeigneter neuer Aufstellungsort für die wilhel- 
minischen Bauleistungen entdecken läßt, muß — genau wie bei Zeppelinen 
oder bei ruhmvoll ausgedienten Kriegsschiffen — der Verkauf an einen 
zahlkräftigen Liebhaber im Auslande statthaft sein. Als das Aufräumen 
der Denkmäler aus wilhelminischer Zeit mit der »Berolina« des Alexan- 
der-Platzes fortgesetzt wurde, hat sich zwar kein passender Käufer gefun- 
den. Die dringendste dieser Aufräumungs-Arbeiten ist aber die Beseitigung 
des Riesendenkmales Kaiser Wilhelms des Großen und des Kaiserlichen 
Domes, die heute beide der Wirkung von Lustgarten, Schloß und Altem 
Museum schwer schaden. Den kaiserlichen Dom hat zwar der gewiß 
nicht anspruchsvolle Bismarck am 2. März 1890 als »unschön« und 
»künstlerisch den Anforderungen eines geläuterten Geschmacks nicht 
entsprechend « abgelehnt, und der Dom hätte nie gebaut werden können, 
wenn nicht Bismarck ı4 Tage später als Opfer seiner von ıhm selbst ver- 
faßten Verfassung dem Wunsche des kaiserlichen Neulings zuliebe sein 
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