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XVIII. Friderizianische und Wilhelminische Denkmäler

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

tiger Denkmäler für den »großen« König beinahe ebenso eifrig wie viele 
deutsche Professoren und Dichter um die Verherrlichung Napoleons. Das 
Kuriosum der Friedrich-Legende, die damals aufblühte und zum Werbe- 
mittel preußischer Politik gemacht wurde, hat Ernst Moritz Arndt uns 
erklärt und hat damit auch einen Schlüssel zum Verständnis der maß- 
stablosen Denkmal-Entwürfe gegeben, mit denen Berlin während des gan- 
zen 19. Jahrhunderts überschwemmt wurde, bis in den letzten Jahrzehnten 
vor dem Weltkriege in ganz Deutschland die geschmacklosen Verwirk- 
lichungen aus dem Boden schossen, bei denen die Friedrich-Denkmal-Ge- 
danken auf Millionen-Bauten für Wilhelm den Großen, Bismarck oder 
Befreiungskriege, Arminius, Barbarossa usw. übertragen wurden. Die Nach- 
blüte zu Ehren des Weltkrieges umgibt uns noch heute. Wie Arndt das 
eigentümliche Aufblühen der Legende zum Ruhme Friedrichs 1. erklärte, 
wurde hier bereits mitgeteilt. Arndt fügte seinen dort (oben S. 156) wie- 
dergegebenen Worten auch folgende hinzu: »Wie durch Friedrichs Il. 
Namen auch der deutsche Name weit und breit klangvoll geworden war, 
so gab das betörte Volk ıhm alles zurück, auch was es nicht von ihm emp- 
fangen hatte: ja selbst die Schwäche und das Unglück der nachfolgenden 
Decennien haben nach dem teuren Haupte eine Sehnsucht erregt und 
einen Heiligenschein der Größe und Güte um ihn geschaffen, die er im 
Leben nicht so hatte.« 
Ganz maßlos, verglichen mit dem vorhin geschilderten Denkmal- 
Entwurfe von Langhans, waren die Riesen-Entwürfe, die der jüngere 
Gilly im neuen Stile der französischen Revolution für Friedrich II. aus- 
führen wollte. Da dieser Gilly fast noch mehr als Gentz und die anderen 
damals in Berlin wirkenden Baumeister der geistige Vater des großen 
Friedrich Schinkel wurde, sind seine Entwürfe wichtige Schlüssel zum 
Verständnis Schinkel’s, dessen eigene Vorschläge zur Ehrung Friedrichs II. 
heute schwer verständlich bleiben. 
Gilly plante ein gewaltiges Mausoleum des Hadrian (Tafel 45) und 
forderte, daß drinnen Friedrich 1I., dessen sterbliche »Hülle« (nach An- 
gabe seines amtlichen Biographen Preuß) »eher den Gebeinen eines Kin- 
des als denen eines Mannes ähnlich war«, in Gestalt eines muskulösen Her- 
kules sitzen sollte: »Entkleidet von allen Zufälligkeiten des Lebens, der 
Nation und des Zeitalters muß dieser Heros der Menschheit ähnlich dem 
im Olymp von seinen irdischen Taten ausruhenden und von allen Schlak- 
ken der Menschheit durch oktäisches Feuer gereinigten Herkules erschei- 
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