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XVIII. Friderizianische und Wilhelminische Denkmäler

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Als aber Friederike, die verwitwete und seitdem um so lebenslustigere 
Schwester der Königin (ihr verstorbener langweiliger Mann war der Bruder 
des langweiligen Königs), kurz nach derVollendung der Schadowschen Mar- 
morgruppe wegen Schwangerschaft vom Hofe entfernt werden und eine 
Not-Ehe schließen mußte, ließ der König das unübertreffliche Marmorbild 
seiner Frau und Schwägerin drei Jahre lang eingekistet in Schadow’s Werk- 
statt stehen, wo es zum Ärger des Künstlers vom Mäusedreck »viel litt« 
und »häßliche Flecken« bekam. Schadow versuchte das Schwesternbild 
durch kleine Nachbildungen in Porzellan volkstümlich zu machen, aber 
es fand keine Käufer, obgleich beide Figuren zusammen nur drei Taler 
kosteten. Als später die Luisen-Mode in Berlin einsetzte, wollte man die 
Königin als die »Heilige«, zu der die Legende sie machte, und nicht als 
die behagliche Berlinerin verehren,:zu der sie dank ihrer vom König ge- 
schilderten »Kuren« in Wirklichkeit gediehen war. Vor Schadow’s Kunst 
stammelte der König sein übliches »Mir fatal!«; er ließ sich von ihm eine 
Büste Luises machen, die anders als das Original ein Untergewand mit 
Umlegekragen trug und so die ihm anstößige Entblößung vermied, und 
wählte für seine zweite Ehe eine frömmere, katholische Frau. 
Bis in die vierziger Jahre blieb Schadow’s marmornes Schwesternbild, 
dieses schönste Stück des steinernen Berlin, so gut wie vergessen. Schadow’s 
ausgezeichneter Biograph, Hans Mackowsky, stellt fest, daß erst nach der Re- 
volution von 1918 ein einigermaßen würdiger Platz »in unbewußter Ver- 
folgung eines Vorschlages von Schadow im Parole-Saal« für dieses Meister- 
werk gefunden wurde. Dort hat die Marmorgruppe wenigstens Seitenlicht, 
aber ihre schöne Rückseite mit dem hochmodernen, sehr tiefen Kleidaus- 
schnitt der heiteren Friederike ist nach wie vor den Blicken entzogen. 
Das Berlin der Hohenzollern war keine würdige Heimat für seinen 
größten Bildhauer. Während der Ruhm seiner Zeitgenossen Houdon, Ca- 
nova und Thorwaldsen alle Länder erfüllte, blieb Schadow’s Name so un- 
bekannt, daß eines seiner Hauptwerke, das ins Ausland kam, dort als Ar- 
beit des keineswegs ebenbürtigen, aber berühmteren Thorwaldsen zu Ehren 
kam und verlorenging, wahrscheinlich weil es als unechter Thorwaldsen 
entdeckt wurde. Die echten Arbeiten Thorwaldsen’s sind alle in dem schön- 
sten Museum versammelt worden, das je einem einzelnen Künstler gebaut 
wurde. Wie armselig, verglichen mit Kopenhagen, hat das siebenmal volk- 
reichere Berlin seinen besten Bildhauer behandelt! 
Der 1791 eingeschlafene Plan eines Denkmals für Friedrich II. erwachte
	        
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