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XV. Friedrich der "Große" baut Paläste

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Diese Schloß-Bauten und die nebenher laufenden Eroberungszüge 
nach Schlesien waren noch kaum beendet, als Friedrich 1_L., wieder mit 
Knobelsdorff, die Bauten für Schloß Sanssouci anfıng. Zwei Jahre nach 
ihrem Abschluß begann Friedrich II. den großen Umbau des Potsdamer 
Stadtschlosses. Der Bau der Gärten von Sanssouci lief unterdessen un- 
entwegt weiter und wurde auch während der Verluste des Siebenjähri- 
gen Krieges gefördert. Ein Jahr vor dem Friedensschluß wurde in der 
Mitte des Parkes die (heute wieder verschwundene) große Marmorkolon- 
nade fertig, mit der Friedrich II. das 75 Jahre ältere, aber sehr viel reinere 
Vorbild der kreisrunden Kolonnade in Versailles nachzuahmen versuchte. 
Ebenso wie das französische Vorbild war Friedrichs Nachahmung als 
Wasserkunst gedacht; doch hier blieben Friedrichs große Aufwendungen 
auch in der Folge fruchtlos: anders als im wasserarmen Versailles gelang 
es in dem wasserreichen Potsdam dem König nie, der technischen Schwie- 
rigkeiten bei der Wasserbeschaffung für die Springbrunnen der Kolon- 
nade und für die große Fontäne Herr zu werden. 
Noch bezeichnender für Friedrichs I. ungeschickte Nachahmung von 
Versailles ist es, daß bei der Planung der Potsdamer Gärten die beglücken- 
den Möglichkeiten vernachlässigt wurden, welche die Einbeziehung der 
Potsdamer Seen in die Gartenlandschaft einem geistvolleren Bauherrn 
gewährt hätte. Statt den Grand Canal von Versailles großartig zu über- 
bieten, was billig gewesen wäre, ließ Friedrich Il. ihn ganz weg und be- 
kam dadurch eine höchst langweilige Stelle in seinem Park, die er durch 
Nachahmung der teuren Springbrunnen von Versailles zu beleben er- 
folglos versuchte. 
Erstaunlicher als dieses technische Unvermögen war das allgemeine 
künstlerische Versagen beim Bau der Potsdamer Gärten. Friedrich hatte 
die ausgezeichneten Pläne von Versailles vor Augen, wo die Stadt, das Schloß 
und die Gärten eine glückliche Einheit bilden. Die Hauptachsen der Stadt 
Versailles, des Schlosses und der Gärten gehören zusammen; wie lebende 
Organismen entwickeln sich alle Teile, der eine aus dem anderen. Ganz 
ähnlich, aber unter viel schwierigeren Verhältnissen, entwickelte bereits 
damals der weitausschauende (und im Laufe der Jahrhunderte allmäh- 
lich ausgeführte) Pariser Plan die große Achse des Louvre durch Tuile- 
rien und Champs Elysges zu höchster künstlerischer Einheit. Obgleich 
Nachahmung leichter ist als geistige Neuschöpfung, vermochte Friedrich Il. 
nicht, den künstlerisch unentbehrlichen Zusammenhang zwischen seinem 
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