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XIII. Friedrich der "Große" bringt Militär- und Miet-Kasernen nach Berlin

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Kasernen wurden namentlich die verheirateten Soldaten mit ihren Ange- 
hörigen einquartiert und somit auch die Berliner Familie gleichsam syste- 
matisch zur kasernierten Wohnweise gedrillt. 
Für das angehende Berliner Schlafburschenwesen und die Wohnungs- 
verhältnisse, die Friedrich II. mit seinen Kasernen schuf, gibt es keinen zu- 
verlässigeren Zeugen als Karl Friedrich von Klöden, der in einer Kaserne 
geboren und — nach dem Tode Friedrichs 1I.—Schöpfer der ersten preu- 
ßischen Gewerbeschule geworden ist. Sein Vater mußte als preußischer 
Unteroffizier Klöden’s Mutter in einer friderizianischen Kasernenwohnung 
unterbringen. Der berühmte Sohn dieser Eltern erzählte in seiner Lebens- 
beschreibung: »Gar bald lernte meine Mutter mit Schaudern erkennen, 
in welch eine Hölle sie geraten sei, in welcher Umgebung sie künftig zu 
leben, mit welchen Menschen sie künftig umzugehen habe— und wer die 
Zusammensetzung des damaligen Heeres kennt, wird sich ein Bild von der 
Existenz in einer Regimentskaserne machen können. Nur ein Drittel des 
Heeres bestand aus eingeborenen und ausgehobenen Kantonisten und Lan- 
deskindern. Die beiden anderen Teile waren Söldlinge, die sich oft nur 
anwerben ließen, um dem Zuchthause zu entgehen, und bei erster Ge- 
legenheit wieder davonliefen; ein anderer Teil war zusammengesetzt aus 
Leuten, welche sich als notorische Taugenichtse ausgewiesen hatten, mit 
denen nichts anzufangen war, und welche man durch kein Korrektions- 
mittel zur Ordnung bringen konnte, es wäre denn durch die barbarisch- 
sten, härtesten Strafen... Wer die demoralisierenden Einflüsse einer sol- 
chen Zucht und die der nicht zu vermeidenden näheren Berührungen mit 
Auswürflingen der Menschheit zu würdigen weiß, der wird sich sagen 
müssen, daß eine große sittliche Kraft dazu gehörte, um sich in einer sol- 
chen Umgebung rein zu erhalten. Meine Mutter hatte sich die Sache, so- 
lange sie unverheiratet war, schlimm vorgestellt, aber von der Versunken- 
heit, welche sie vorfand, hatte sie doch keinen Begriff gehabt, und fast 
waren die verheirateten Frauen in der Kaserne noch schlimmer als die 
Männer. Mit ihnen mußte sie nun in einem Hause wohnen, mit ihnen um- 
gehen!... Am unangenehmsten aber war folgende Einrichtung: Jeder ver- 
heiratete Unteroffizier erhielt zur Wohnung in der Kaserne eine Stube 
und eine Kammer. In die letztere wurden ihm zwei der schlimmsten Aus- 
länder, denen man am wenigsten trauen durfte, unter dem Namen von 
Schlaf burschen gelegt, die er überwachen mußte. Desertierte ein solcher 
Kerl, so hatte der Unteroffizier tausend Sorgen und Ängste auszustehen, 
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