Path:
XIII. Friedrich der "Große" bringt Militär- und Miet-Kasernen nach Berlin

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

mäßen, unschönen und selten benutzten dritten Potsdamer Palastes, der 
eine längere Fassade hat als der berüchtigte spanische Escorial. Der amt- 
liche Historiograph Friedrichs 1I., J. D. E. Preuß, berichtet, der Bau und 
die Möblierung dieses » Neuen Palais« hätten 22 Millionen Taler geko- 
stet. Doch behaupten neuere Verteidiger des Königs, er habe für seine gan- 
ze Gartenstadt Potsdam insgesamt nur 10,59 Millionen Taler verausgabt, 
wovon die königlichen Privatbauten, Schlösser und Gartenanlagen nur 
5,32 Millionen Taler verschlungen hätten. Was von den Baurechnungen 
für die Rohbauten des »Neuen Palais« erhalten war, berechnete Friedrichs 
Architekt Manger auf 2880443 Taler. Für die Inneneinrichtung des Pa- 
lastes muß etwa dieselbe Summe eingesetzt werden. Selbst mit einem Teil 
dieser Summe wäre eine sehr wirksame Linderung der Berliner Wohnungs- 
not durch Stadterweiterung und Kleinhausbau möglich gewesen. 
Friedrichs II. Verachtung für die Stadterweiterungs-Politik, die Ber- 
lin im Mittelalter und unter seinen drei letzten Vorgängern groß werden 
ließ, wurde womöglich noch übertroffen durch seine Unkenntnis der groß- 
städtischen Entwicklung anderer Länder. Er hatte zwar einmal —sehr flüch- 
tig — Amsterdam, aber keine der größeren Städte je gesehen. Besonders war 
ihm alles Englische fremd. Er ahnte deshalb auch nichts von der bedeut- 
samen Dezentralisation des Wohnungswesens, die das unbefestigte Lon- 
don nach dem großen Feuer von 1666 neu gestaltet hatte und die sich 
ın dem ebenfalls unbefestigten Berlin leicht hätte nachahmen lassen. Er 
lauschte nur den Berichten der Pariser »Schöngeister«, mit denen er sich 
umgab, und ahmte nach, was in Paris, der Stadt mit den damals schlech- 
testen Wohnungsverhältnissen der Welt, vorgemacht wurde: Kasernen und 
hohe Miethäuser. 
Der militärische Kasernenbau, den Friedrich II. seit dem Siebenjährigen 
Kriege nach Berlin verpflanzte, war nützlich insofern, als er der Berliner 
Bevölkerung die Einquartierungslast erleichterte. Die Kasernen waren 
besonders auch deshalb notwendig, weil Friedrich II. die Besatzung Ber- 
lins zwischen 1763 und seinem Todesjahr, 1786, von 19500 auf 36000 
Mann vermehrte, so daß sie weit mehr als ein Fünftel der Gesamtbevöl- 
kerung ausmachte. Friedrich II. baute von 1763 bis 1767 allein acht Ka- 
sernen. Auch dabei schuf er nicht etwa ein neues System (wie z. B. spä- 
ter die Engländer mit ihren dezentralisierten Kasernen), sondern er ahmte 
das französische »Zentralisations-System« nach, das möglichst viele Trup- 
pen mit allen Nebenräumen unter ein einziges Dach brachte. In diesen 
163
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.