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XI. Schlüter's Niederlage als Berliner Baumeister

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

lästigen befohlen hatte. In Berlin gewann sich Schlüter schnell einen Na- 
men: nach dem Vorbilde eines unberittenen Ludwig XIV., den er in Paris ge- 
sehen hatte,schuf er, viel realistischer, ein wohlgetroffenes Standbild des Kur- 
fürsten Friedrich Il. für den Hof des Zeughauses. (Tafel ı 2. Das Bild wurde 
später, nach dem Tode Friedrichs I. und Schlüter’s, schnöde beseitigt, bei- 
nahe eingeschmolzen und schließlich nach Königsberg geschafft. Es war zu 
gut für Berlin.) Nach seinem ersten Erfolge wurde Schlüter zum Bau des 
Zeughauses, und zwar nicht nur als Bildhauer, sondern auch als Baumeister 
herangezogen. Die gefährliche Mode, Bildhauer auch als Architekten gel- 
ten zu lassen, hat in Italien zu vielen barocken Ausschweifungen, doch auch 
zu großartigen Leistungen, wie Michelangelo’s St. Peterskuppel und Ber- 
nini’s St. Peters-Kolonnaden, geführt. Von dem großen Bildhauer Phidias 
wissen wir allerdings, daß er den Bau des Parthenon nicht allein, sondern 
in Zusammenarbeit mit zwei angesehenen Architekten vollendete. 
Schlüter’s Teilnahme am Bau des Zeughauses brachte ihm weitere 
Triumphe als Bildhauer, aber auch seine erste Niederlage als Baumeister. 
Er scheiterte mit seinem Versuche, einen bereits durchaus geplanten und 
schon begonnenen französischen Bau nachträglich in ein Kunstwerk eige- 
ner Prägung umzuwandeln. Schlüter und die anderen Deutschen, die mit 
ihm am Zeughause arbeiteten, versuchten, dem strengen französischen Bau 
die schlichte Zweckmäßigkeit zu nehmen und ihm den Schein eines Pala- 
stes zu geben. Die meisten Schlüterschen Zutaten, namentlich die über- 
höhte Attika, mit der Schlüter das Dach des Zeughauses belud, sind bei der 
Fertigstellung durch seinen französischen Nachfolger Jean de Bodt wieder 
beseitigt worden. Doch es blieb der reiche bildhauerische Schmuck, der die 
Umrißlinien des Baues barock verbrämt wie Straußenfedern einen Stahlhelm. 
Dieser Schmuck ist nur zum kleinsten Teile von Schlüter’s eigener Hand. 
Sie ist umso deutlicher in den unübertrefflichen federumrauschten, löwen- 
und drachenumzüngelten Prunkhelmen erkennbar, mit denen die Schluß- 
steine über den Fensterbogen rings um das Zeughaus sehr viel reicher ver- 
ziert wurden, als die strengen Regeln der neuen französischen Baukunst er- 
laubten. Es wird vermutet, daß Schlüter der kriegsdienst-verweigernden 
Sekte der Mennoniten angehört hat. Jedenfalls hat er nicht wie sein schließ- 
lich erfolgreicher Nebenbuhler, der Baumeister Eosander von Goethe, einen 
militärischen Rang bekleidet. War dieser Mangel am preußischen Hofe selbst 
damals schwer entschuldbar? Und hat er zu Schlüter’s späterem Unterlie- 
gen unter den besser beratenen Eosander von Goethe beigetragen ? 
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