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X. Schlüter's Triumph als Berliner Bildhauer

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

baulichen Ganzen darstellt, das unausgeführt blieb. Ein zeitgenössischer 
Stich (Tafel 15) des französischen Architekten Broebes, der uns eine Vor- 
stellung von diesem Entwurf gibt, gilt als die stadtbaukünstlerische Groß- 
tat Schlüter’s. Auf diesem Entwurf steht das Kurfürstendenkmal nicht wie 
heute zwischen die unruhigen Seitenwände von Geschäftshäusern und Mar- 
stall eingeklemmt, sondern die Bauten südlich der Kurfürsten-Brücke tre- 
ten ebenso weit zurück von der Brücke wie das Schloß auf der Nordseite. 
Die Kurfürsten-Brücke sollte also nicht wie heute auf die Südseite, son- 
dern auf die Mitte des vergrößerten Schloßplatzes führen, vor dessen Frei- 
heit das Kurfürsten-Denkmal seine ruhmreiche Umrißlinie ungestört auf 
den Himmel zeichnen konnte. Der Beschauer erkennt plötzlich die Ver- 
wandtschaft mit der vorzüglichen Aufstellung Heinrichs IV. auf der Pariser 
»Neuen Brücke«, die Schlüter als Vorbild für sein eigenes Denkmal vor- 
geschwebt haben mag. 
Den Hintergrund des derart umgestalteten Schloßplatzes sollte ein 
neuer Dom an Stelle der alten Dominikaner-Kirche bilden, und auf drei 
Seiten sollten sich die platzartigen Höfe des Schlosses, des Marstalls und 
der vom Münzturm beherrschte Platz anschließen. 
Daß dieser großartige Platzentwurf Schlüters unausgeführt geblieben 
ist, gilt künstlerisch empfindenden Berlinern als die Tragödie der Berliner 
Stadtbaukunst, Fritz Stahl meinte, wenn dieser herrliche Platz gebaut 
worden wäre, hätte Berlin den großen künsilerischen Maßstab besessen, 
der die weitere Entwicklung beherrscht und gesteigert haben müßte. Mit 
diesem Platz vor Augen hätten die Berliner sich nicht in dem unarchitek- 
tonischen Durcheinander verlieren können, das später über ihre Stadt 
hereingebrochen ist. Vielleicht unterschätzte der liebenswürdige Fritz 
Stahl die verwüstende Allmacht wilhelminischer Geheimräte und ihren 
unbelehrbaren Dünkel. 
Der Kupferstich von Broebes, der als Darstellung des großen Schlü- 
terschen Gedankens gilt, ist beachtenswert auch deshalb, weil der ent- 
werfende Baumeister augenscheinlich eine unglaublich kühne Viertel- 
drehung des Schlosses vorgenommen hat. Das Schloß und der Schloß- 
platz kommen damit rechtwinklig zu Zeughaus und » Unter den Linden« 
zu liegen, deren Achsen und architektonischen Kraftströme sich heute et- 
was gar zu zufällig am schief stehenden Schloß totlaufen. Die Ausführung 
des ehrgeizigen Entwurfes hätte den östlichen Arm der Spree vor dem 
Schloßwplatz zu einem großen Becken erweitert. Das für Schlüter’s Dom und
	        
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