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Volume Nr. 71

Full text : Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Ausgabe 1921 (Public Domain)

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Zentralblatt  der  Bauverwaltung,  ,  3,  September  1921.

Urkunde  von  1227,  die  das  Bestehen  des  „uralten“  Westchors  auch
damals  noch  erweisen  soll.  Sie  lautet:' 1 )
„In  nomine  sancte  et  individue  Trinitatis.  Fridericus  divira  providentia
  sancte  Halberstadensis  ecclesie  episcopus  imperpetuum  .  .  .
eeterum  de  aliis  quinque  mansis,  s.  spiritus  gratia  Bibi  affavente,
taliter  ordinavit,  ut  in  contiuenti  post  mortem  ipsius  in  occidentali
choro,  quem  ipse  ad  honorem  gloriose  virginis  Marie  et
b.  Syxti  martiris  de  suis  constituit  sumptibus  perpetuus
vicariua  habeatur.  qui  inibi  deserviat  divina  die  qualibet  celebrando
et  in  choro  secundum  debitum  vicariorum  frequenter  presens  existat
et  s.  Marie  ac  b.  Syxti  vicarius  nominetur.  .  .  “
(Im  Namen  der  heiligen  und  ungeteilten  Dreieinigkeit.  Friedrich,
der  heiligen  Halberstädter  Kirche  Bischof  für  immer  .  .  .  ferner
von  anderen  5  Joch  verordnete  er,  indem  die  Gnade  des  hl.  Geistes
es  ihm  eingab,  daß  sofort  nach  seinem  Tode  im  westlichen
Chor,  den  er  selbst  zu  Ehren  der  glorreichen  Jungfrau
Maria  und  des  hl.  Märtyrers  Sixtus  auf  seine  Kosten  eingerichtet ­
  hat,  ein  ständiger  Vikar  gehalten  werde,  der  darin  den
Gottesdienst  versehe,  der  an  jedwedem  Tage  zu  feiern  ist,  und  im
Chor  gemäß  der  Pflicht  der  Vikare  häutig  gegenwärtig  sei,  und  Vikar
der  hl.  Maria  und  des  hl.  Sixtus  genannt  werde  .  .  .)
Der  Bischof  Friedrich  bestätigt  im  vorstehenden  den  letzten  Willen
des  Domküsters  und  Propstes  in  Jechaburg,  Burchard  von  Wartberg,
der  den  Chor  eingerichtet  hat.  Worin  hat  er  ihn  eingerichtet?  In
einem  vorhandenen  Chorbau?  —  Wir  haben  nun  aber  gesehen,  daß
im  Westen  kein  Chorbau,  sondern  ein  Turmbau  vorhanden  war,  in
dessen  Obergeschossen  eine  Anzahl  Altäre  eingebaut  war,  die  höchstwahrscheinlich ­
  ihre  Geistlichkeit  seit  langer  Zeit  besaß.  Der  Propst
von  Jechaburg  könnte  also  höchstens  das  Untergeschoß  des  alten
Turmbaues  zum  Westchor  eingerichtet  haben.  Das  kann  constituit
allein  besagen.  Denn  will  man  constituit  mit  erbaut  übersetzen,  was
überdies  nicht  richtig  sein  dürfte,  so  hätte  der  Propst  doch  jetzt  erst
kurz  vor  1227  den  „uralten  Westchor“  erbaut.  Und  wo  wäre  dann
dieser  geblieben?
Nein!  Dieser  Westebor  ist  nur  neu  eingerichtet  worden  in  einem
schon  bestehenden  Raum,  der  bis  dahin  keinen  Altar  besessen  batte.
Ein  solcher  leerer  Raum  im  Westen  kann  nur  zwischen  den  beiden
neuen  Türmen  zu  suchen  sein,  entweder  im  Obergeschoß  oder  ebenerdig. ­
  So  kommen  wir  auf  die  wahrscheinliche  Lösung  des  ganzen
Geheimnisses:  Die  Eingangshalle  zwischen  den  beiden  neuen  Türmen
ist  als  Westchor  eingerichtet  worden,  genau  wie  zur  selben  Zeit  im
Dom  in  Münster  in  Westfalen  die  Eingangshalle  zwischen  den  beiden
Westtürraen  zum  Chor  eingerichtet  wurde,  und  später  im  Dom  in
Magdeburg  die  gleiche  Eingangshalle  zwischen  den  Westtürmen  zur
Aunakapelle  und  später  zur  Grabkapelle  des  Erzbischofs  Ernst  eingerichtet ­
  wurde.  Die  Urkunde  von  1227  besagt  also  nichts  gegen
das  Vorhandensein  der  heutigen  beiden  Westtürme:  im  Gegenteil,  sie
verlangt  einen  derartigen,  schon  vorhandenen  Chorraum,  der  aber  bis
dahin  als  Chor  nicht  im  Gebrauch  gewesen  war.
Im  Mittelalter  wurden  die  Dome  anders  benutzt  als  heutzutage.
Für  die  zahlreiche  Geistlichkeit  mußten  überall  Altäre  vorhanden  sein.
Der  Zugang  erfolgte  zumeist  auch  von  den  Seiten  her,  von  den  Kreuzgängen
  aus,  daher  war  die  Anlage  eines  Westchors  zwischen  den
Türmen  nichts  Außergewöhnliches.  Daß  die  Westtürme  1220  fertig
waren,  bezeugen  auch  ihre  Einzelheiten,  die  mit  denen  des  Bischofganges
  in  Magdeburg  iiberemstiminen,'  der  ungefähr  von  1210  bis
1220  entstanden  ist/;  wenn  sie  auch  einer  anderen  Baumeisterhand
angehören.  Das  Beste,  was  Uber  den  Dom  in  Halberstadt  geschrieben
worden  ist,  bleibt  immer  noch:  „Der  Dom  in  Halberstadt“.  Baugeschichtliehe
  Studie  von  Regierungsbaumeister  Karl  Elis,  dem  Zeichenlehrer  der
Kinder  des  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm,  weiland  Professor  an  der
Bauakademie  (Berlin  1883-  Jul.  Springer).  Man  findet  dort  nicht
nur  vortreffliche  Zeichnungen  vom  gesamten  Dom,  Elia  hat  auch  zum
erstenmal  die  bis  dahin  nicht  veröffentlichten  Urkunden  ihrem  Inhalt
nach  angeführt.  Das  bei  Elis  noch  Fehlende  sucht  man  vergeblich
in  der  „Beschreibenden  Darstellung  der  älteren  Bau-  und  Kunstdenkraäler*.
  Hoffentlich  findet  sich  auch  einmal  ein  geschichtskundiger
Gelehrter  oder  ein  Baumeister,  der  das  so  vorzügliche  Urkundenwerk
von  Schmidt  K i  fortsetzt  und  Elis  ergänzt.  Ohne  Urkunden  bleibt  die
Kunstgeschichte  ein  nicht  richtiger  Roman  und  die  neuesten  Sammelwerke ­
  eine  Sammlung  aller  bisherigen  Irrtümer.
Berlin.  Hasak.
BÜcherschan.
Handbuch  der  Jngeuieurwissenschafteu.  Leipzig.  Wiih.  Engelmann.
  In  gr.  8°.  ln  5  Teilen.  -  3.  Teil.  Der  Wasserbau.  Heraus-|;
 )  Schmidt,  Urkundenbuch  des  Hochstiftes  Halberstadt.  Leipzig
1883.  Teil  1,  S.  539  u.  f.
7 )  Zeitschrift  für  Bauwesen,  Jahrg.  1919:  Hasak,  „Deutsch-Gotisches“,
  Sp.  39  u.  f.
8 )  Gustav  Schmidt,  Urkundenbuch  des  Hochstiftes  Halberstadt.

gegeben  von  J.  F.  Bubendey  f,  G.  Franzius,  A.  Frühling  f,  Th.  Köhn  f,
Fr.  Kreuter,  Th.  Rehbock,  0.  Smreker,  Ed.  Sonnet*  und  G.  deThierry.
—  6.  Bd,:  Der  Flußbau.  Bearbeitet  und  herausgegeben  von  $>r.*!3ng.
Franz  Kreuter.  5.  Aull.  1921.  XIV  u.  724  S.  mit  485  Textabb.,  54  Lichtbildern, ­
  3  Taf.  u.  Inhaltweiser.  Geh.  136  Jt,  geb.  AhkJt.
Diese  von  dem  bekannten  Münchener  Hochschullehrer  und  Forscher
durchgeführte  Bearbeitung  darf  hinsichtlich  ihrer  äußeren  Gestalt  als
ein  neues  Werk  angesprochen  werden,  das  gegenüber  den  älteren
Auflagen  unter  anderen  bemerkenswerten  Vorzügen  eine  sehr  klare
und  straffe  Gliederung  des  Stoffs  aufweist.  Nur  solche  Gebiete  haben
in  diesem  Bande  Aufnahme  gefunden,  die  zum  Flußbau  gehören.
Alles,  was  sonst  noch  in  den  älteren  Auflagen  zusammen  mit  dem
Flußbau  untergebracht  war,  ist  jetzt  in  andere  Bände  verwiesen
worden.  Die  [Benutzung  des  Werks  wird  dadurch  erleichtert.  Der
umfangreiche  Stoff  ist  in  acht  Hauptstücke  zerlegt,  die  zusammen
ein  bis  auf  die  Gegenwart  hinabreicbendes  deutliches  und  umfassendes
Bild  geben  nicht  nur  vom  heutigen  Stande  der  Flußbaukunst,  sondern
auch  von  der  wissenschaftlichen  Forschung  auf  diesem  Gebiet.  Jedem
Hauptstück  ist  ein  kurzer  Hinweis  auf  das  einschlägige  Schrifttum  beigegeben, ­
  das  am  Schluß  des  Bandes  ausführlich  zusammengestellt  ist.
Nach  eingehender  Besprechung  der  allgemeinen  wissenschaftlichen
Grundlagen,  von  welchen  die  1917  veröffentlichten  Forschungen  iielibocks
  über  die  Bewegung  des  fließenden  Wassers  besonders  erwähnt
seien,  werden  die  Gesichtspunkte  erörtert,  die  bei  Anstellung  von  Vorerhebungen ­
  und  Ausarbeitung  von  Vorentwtirfen  maßgebend  sind.
Hieran  schließt  sich  eine  Betrachtung  der  im  Flußbau  üblichen  Baustoffe ­
  und  der  bekanntesten  Baubestandteile.  Dabei  sind  auch  die
Drahtnetze  erwähnt,  die  in  letzter  Zeit  mehr  und  mehr  im  Flußbau
verwendet  werden.  Vielleicht  läßt  es  sich  in  der  nächsten  Auflage
ermöglichen,  auch  auf  die  mit  diesem  Baustoff  durchgeführte  Drahtschotterbauweise ­
  einzugehen,  mit  der  an  Gebirgsnebenflüssen  der
oberen  Oder  sehr  gute  Erfolge  erzielt  wurden  (vgl.  Regelung  der  Ostrawitza,
  1921,  S.  260  d.  Bl.).
Der  Ausführung  von  Flußbauten,  dem  Verbau  von  Wildbächen,
der  Bändigung  von  Gebirgsflüssen  und  der  Verbesserung  schiffbarer
Flüsse  sind  eingehende  und  anschauliche  Darlegungen  gewidmet.
Auf  eine  nähere  Würdigung  dieser  Kapitel  muß  hier  leider  aus
Mangel  an  Raum  verzichtet  werden.  Nur  sei  noch  erwähnt,  daß  das,
was  in  §  112  über  die  Anforderungen  an  die  Flüssedurch  den  Verkehr
einerseits  und  die  Landwirtschaft  anderseits  gesagt  ist,  wohl  auf
allgemeine  Zustimmung  rechnen  darf,  während  ein  gleiches  von  den
hierauf  bezüglichen  Ausführungen  der  älteren  Auflagen  kaum  behauptet
werden  konnte.  Deshalb  bedeutet  auch  die  Neubearbeitung  dieser
Stelle  eine  Verbesserung.  Aber  vielleicht  könnte  hei  der  nächsten
Auflage  noch  schärfer  zum  Ausdruck  kommen,  daß  da,  wo  für  den
Verkehr  Veränderungen  am  Fluß  geplant  werden,  nicht  nur  auf  den
Verkehr,  sondern  auch  auf  die  gleichberechtigte  Landwirtschaft  so  weit
Rücksicht  genommen  werden  muß,  als  die  Gesamtwirtsohaft  das
erheischt.
Dann  folgt  noch  ein  Abschnitt  über  Flußdeiche.  Damit  schließt
das  Bucb.  In  ihm  sind  Verarbeitung  des  Stoffs,  Darstellung  und
Sprache  gleich  meisterhaft.  Die  vorzüglichen  und  lehrreichen  Bilder
sind  sehenswert.  Ein  Werk  von  dieser  geistigen  Reife  bedarf  keiner
weiteren  Empfehlung.  Es  gereicht  dem  Verfasser  und  der  ganzen
Fachwelt  zur  besonderen  Zierde.  —  Dem  Verlag  ist  zu  danken,  daß
er  Papier  und  Druck  auf  alter  Höhe  erhalten  hat.
Oppeln.  F.  Koepke,  Regierungs-  und  Baurat.
Knlturtechiiischer  Wasserbau.  Von  E.  Krüger,  Geheimer  Regierungsrat,
  ordentlicher  Professor  der  Kulturtechnik  an  der  Landwirtschaftlichen ­
  Hochschule  Berlin.  111.  Teil:  Wasserbau.  7.  Band  der
Handbibliothek  für  Bauingenieure,  berausgegeben  von  Robert  Otzen.
Berlin  1921.  Jul.  Springer.  X  u.  290S.  in  gr.  8°  mit  197  Abb.  Geb.  42^.
Der  Verfasser  gibt  in  knapper,  aber  für  meliorationstechnische
Baubeamte  durchaus  hinreichender,  und  wissenschaftlicher  Form  einen
umfassenden  Überblick  Uber  den  gesamten  kulturtechnischen  Wasserbau,
besonders  die  Bodenmeliorationen  im  allgemeinen,  den  Wasserhaushalt
auf  der  Erde,  die  Eigenschaften  der  fließenden  Gewässer,  die  Entwässerung ­
  des  Bodens,  die  Dränungen,  die  Regelung  der  Wasserläufe,
die  Bodenbewässerung  und  die  Moorkultur,  Besonders  zeitgemäß
sind  die  Abschnitte  über  Bewässerung  von  Acker-,  Obst-  und  Gemüseländereien
  sowie  über  Odlandkultur  und  Besiedlung  gehalten.  Die
zu  wassertechnischen  und  wirtschaftlichen  Berechnungen  erforderlichen ­
  Unterlagen  sind  in  genügender  Zahl  und  gfut  verständlich
gegeben.  Duroh  dreißigjährige  Praxis  besonders  berufen,  versteht  es
der  Verfasser,  den  Stoff  durch  zahlreiche  Beispiele,  feststehende  Zahlen
und  klare  Skizzen  so  anschaulich  zu  macheh,  daß  sowohl  Studierende
des  Wasserbaues  und  der  Kulturtechnik  wie  auch  ausführende  Kulturingenieure ­
  und  akademisch  gebildete  Landwirte  reichen  Nutzen  aus
dem  Buche  ziehen  werden.
Bonn.  Heimerle.

vertag  von  "Willi.  Ernst*  Sohn,  Berlin.  —  Für  den  niohtarotl.  Teil  verantwortlich:  In  Vertr.  S>r.*3nq.  Nonn,  Berlin,  -  Druck  der  Buchdruckerei  Gehr.  Ern«t,  Berlin.

Nr.  71
            
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