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Erstes Buch. Die Krisis

Full text: Berliner Revolutionschronik / Wolff, Gustav Adolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Eine kurze Debatte über die Zelten-Adresse folgte. Der Vorsitzende gab 
sogleich bei seiner Berichterstattung sein Votum gegen das Mitüberreichen 
dieser Adresse durch die städtische Deputation ab; von den Punkten, welche die 
Adresse als besondere Wünsche hervorhebe — so begründete er sein Votum — 
seien in die Stadtverordneten-Adresse nur vier aufgenommen; diese schließe sich 
also nicht vollkommen der anderen an, und somit würden die Stadtverordneten 
nur als äußerliche Beförderer eines von ihnen nicht vertretenen Dokuments 
erscheinen. Der Antrag auf Mitüberreichung der Zelten-Adresse wurde mit 
großer Majorität abgelehnt. 
Die Angelegenheit der bewaffneten Schutzkommission war der nächste 
Gegenstand der Tagesordnung. Die Diskussion hierüber schloß mit der An— 
nahme des Vorschlags, den Magistrat zu ersuchen, gegründet auf die früheren 
Beschlüsse, die Verhandlungen wegen der Errichtung von Schutzkommissionen 
vieder aufzunehmen. 
Der durch den Vorsitzenden Herrn Fournier eigenthümlich herbeigeführte 
Schluß der Sitzung hatte die Versammlung und die Zuhörer überrascht. Ein 
großer Theil der ersteren mochte wohl in der Abspannung nach der langen 
Debatte und in dem Geräusch, das sich vor der Abstimmung erhob, die aller— 
dings wunderliche Erklärung des Vorsitzenden in Betreff der Fragestellung 
überhört haben. Der Vorsitzende schien jedoch mit dem Resultate zufrieden 
zu sein und schloß die Sitzung. Die Schlußszene schildert ein Berichterstatter 
in folgender Art: „Nach geschehener Abstimmung erhob sich ein großer Lärm; 
mehrere Stadtverordnete, welche die Sache früher wohl falsch verstanden und 
deshalb geschwiegen hatten, protestirten und forderten Abstimmung über 
Bürgerbewaffnung. Das Publikum stimmte in dieses Verlangen mit einem 
wahrhaft furchtbaren Lärmen ein, und als der Vorsteher die Sitzung schloß, 
weigerte sich dasselbe die Tribüne zu verlassen. Der Spektakel dauerte eine 
ziemliche Weile und drohte immer ärger zu werden, bis einer der anwesenden 
Zuhörer der tobenden Menge vorstellte, daß man hier kein Recht habe zu 
lärmen, und daß man lieber hinuntergehen und einigen Stadtverordneten, die 
sich in der Berathung sehr hervorgethan, ein Hoch bringen wolle. Damit 
einverstanden räumte die Menge den Saal, brachte den Stadtverordneten 
Nauwerk, Mertens und Berends von der Straße aus ein dreimaliges Vivat 
und ging dann auf weitere Vorstellungen ruhig auseinander.“ 
Zum ersten Male waren an diesem Tage (den 11.) auch die Studenten 
zur Berathung der unter den damaligen Zeitumständen von ihnen zu unter— 
nehmenden Schritte versammelt. Das größte Auditorium (Nr. 6) der Univer— 
sität nahm die zahlreiche Versammlung, in der ersten Nachmittagsstunde, auf. 
Die Debatte war ohne Mittelpunkt, die Leitung derselben wechselte während 
der einen Stunde unter Mehreren. Jeder, der etwas eindrucksvoll gesprochen, 
wurde stets sofort von einer großen Menge Stimmen zum Präsidenten vor—⸗ 
geschlagen; und als dieser Vorschlag einmal auf einen Sprecher fiel — der
	        
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