Path:
Erstes Buch. Die Krisis

Full text: Berliner Revolutionschronik / Wolff, Gustav Adolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

* 
wünschten Beförderungsart ausgesprochen, nur drei oder vier (die Schriftsteller 
Buhl und Maron und der Doktor der Medizin Wiß) hatten mit energischen 
Worten das Unwürdige der von den übrigen Rednern gemachten Vorschläge 
dargestellt und das unmittelbare Ueberreichen der Adresse an den König 
empfohlen. Die Mehrheit der außerhalb des Saales Versammelten schien 
sich dieser Ansicht ebenfalls hinzuneigen, mit großem Beifall begleitete sie die 
Redner der oppositionellen Minorität; doch immer wieder tauchten neue und 
darunter die abenteuerlichsten Vorschläge auf. So stellte einer der Redner die 
Vermittelung durch Alexander v. Humboldt als wünschenswerth dar, ein anderer 
empfahl allen Ernstes den Minister v. Bodelschwingh als Zwischenträger, ein 
Dritter machte wiederholt den Vorschlag, die Post zur Beförderung der Adresse 
zu benutzen, ein Vierter sprach sich dafür aus, die Adresse den Stadtverord— 
neten zu überreichen und diese zu bitten, zugleich mit der städtischen die Zelten— 
Adresse dem Könige zu überreichen. Der Eine schilderte die Gefahren, die mit 
dieser oder jener Art der Ueberreichung verbunden wären, ein Anderer wollte 
Vorsicht und alle „Besonnenheit“ beobachtet wissen. Herr Dr. juris Oppen— 
heim (der spätere Redakteur der „Reform“ und im Mai 1849 Redakteur des 
offiziellen Organs der badischen provisorischen Regierung unter Brentano) gefiel 
sich im phantasiereichen Ausmalen der traurigen Folgen eines bei Ueberreichung 
möglichen Konfliktes zwischen dem Volk und der militärischen Gewalt: „Wissen 
Sie, meine Herren,“ perorirte er, „wissen Sie, was die Folgen einer beharr— 
lichen Opposition gegen die besonnenen Vorschläge der Ueberreichung der 
Adresse sind? Die Folgen sind eine Reibung zwischen dem Volke und der 
Gewalt, die Folgen dieser Reibung sind ein Krawall, aus dem Krawall wird 
eine Emeute, und wissen Sie, was eine Emeute ist? Eine Emeute ist eine 
verunglückte Revolution . ..“ Und als andere Redner hierauf das freund— 
liche Entgegenkommen des Herrn v. Minutoli rühmten, in dessen Macht es 
ja liege, alle diese Versammlungen und Adressen zu verbieten, als sie diese 
Freundlichkeit mit gleicher Freundlichkeit zu entgelten der Versammlung ans 
Herz legen wollten, da erhob sich Herr Maron: „Timeo Danaos,“ sagte er, 
„et dona ferentes!“ „Deutsch, deutsch!“ rief man ihm zu. „Das heißt 
ins Deutsche übersetzt,“ fuhr er fort, „ich traue der Polizei nicht, wenn sie 
uns mit Freundlichkeit entgegenkommt.“ „Warum wollen Sie,“ fragte ein 
Redner von der Fensterbrüstung aus, „warum wollen Sie Ihre Adresse nicht 
direkt überreichen? Ist nicht der König, wie er es selbst so oft gesagt, unfer 
Aller Vater, und werden sich Kinder, wenn sie von ihrem Vater etwas erlangen 
wollen, erst einer fremden Mittelsperson bedienen, die ihre Wünsche ihrem 
Vater überbringen soll?“ 
Die Versammlung drängte endlich zum Schluß. Viele der Draußen— 
stehenden hatten sich bereits entfernt, als der Vorsitzende drinnen die Fragen 
resumirte, die nach den bisher gestellten Anträgen der Versammlung vorzulegen 
wären. Doch verursachte die Art, wie bei dieser in verschiedenen Räumen
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.