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Viertes Buch. Die politischen Parteien

Full text: Berliner Revolutionschronik / Wolff, Gustav Adolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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der „Allgem. Preußischen Zeitung“ ruhig, aber entschieden entgegen. Dennoch 
wuchs, troß ihrer ersichtlichen Grundlosigkeit, die Furcht vor Exrzessen, durch 
die geringfügigsten Veranlassungen hervorgerufen, und bemächtigte sich auch 
— der Bürgerwehr. In dem Wahne, auf die „Aufwiegler“ fahnden zu 
müssen, fanden viele willkürlichen Akte der Bürgerwehr statt; charakteristisch 
lautet der Rapport eines patrouillirenden Zugführers in einer der ersten 
Nächte des April: „Alles ruhig in der Stadt, mit Ausnahme der Bürger— 
wehr.“ In dieser Letzteren stellten sich denn auch mit der Zeit mehr und 
mehr Mißbräuche und Uebelstände heraus. 
Am 4. April machte Hr. r. Minutoli in der Versammlung der Haupt— 
eute die „unerwartete“ Mittaulung, daß er sein Amt eines Chefs der 
Bürgerwehr mit diesem Tage niederlege; der Wille Sr. Maj. des Königs 
bestimme ihn, seine ganze Thätigkeit den Arbeiten einer Reorganisation der 
Polizei-Verwaltung zuzuwenden. Daraufhin wurde der Vorschlag gemacht, 
einen königlichen Prinzen an die Spitze der Bürgerwehr zu stellen; der kon— 
stitutionelle Klub dagegen führte aus, daß der Anführer der Bürgerwehr ein 
Mann des Volkes und von allen Wehrmännern erwählt sein müsse. Der 
Magistrat stellte eine Kandidatenliste auf, welche folgende Namen enthielt: 
General-Major v. Aschoff, Geheimrath v. Grolmann, Fabrikbesitzer Borsig, 
Stadtverordneter Krug, Professor Maßmann, Stadtverordneten-Vorsteher 
Fournier. In der Versammlung der Hauptleute und Majore der Bürger— 
wehr am 6. April wurden außer diesen noch die H. Major Blesson, Obrist— 
lieut. a. D. v. Hochstetter, General-Auditeur Friccius genannt. Bei Ver— 
lesung des Namens Grolmann erhob sich der Stadtrath Cantian, um mitzu— 
theilen, daß Hr. v. Grolmann ihm bereits erklärt habe, er würde, seines 
hohen Alters wegen, eine etwa auf ihn fallende Wahl nicht annehmen. 
„Somit“, bemerkt die Nat.-Zeit., „verschwand derjenige Mann von der 
Wahlliste, den man allem Vermuthen nach mit allseitiger Beistimmung an 
die Spitze der Bürgerwehr stellen konnte.“ Bei der durch Stimmzettel vor— 
genommenen Wahl erhielten die HH. Blesson und v. Aschoff die meisten 
Stimmen. Die engere Wahl ergab eine absolute Maijiorität für Hrn. v. 
Aschoff, Kommandeur der 6. Landwehr-Brigade. 
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zur Feststellung des Wahlmodus für die definitive Wahl eines Kommandeurs, 
der so lautete: „Die Hauptleute entwerfen, mit Zugrundelegung der Magistrats- 
Liste, nach Rücksprache mit ihren Bezirken, eine neue Kandidatenliste. Aus 
den Kandidatenlisten sämmtlicher Bezirke werden in der Versammlung der 
Majore und Hauptleute drei Kandidaten ermittelt, über welche die Haupt— 
leute in den einzelnen Versammlungen der Bezirke durch Stimmzettel ab— 
stimmen lassen. Durch Zusammenzählung der also namentlich abgegebenen 
Stimmen wird der Kommandeur nach absoluter Majorität ermittelt.“ Die 
auf ihn gefallene provisorische Wahl nahm Herr von Aschoff an und wußte, 
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