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Viertes Buch. Die politischen Parteien

Full text: Berliner Revolutionschronik / Wolff, Gustav Adolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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männer sollten überall im Lande am 1. Mai (gleichzeitig mit den preußischen 
Wahlen, jedoch in getrennten Wahlakten), die Wahlen der Abgeordneten und 
Stellvertreter am 10. Mai vorcunommen werden. 
Nun fanden auch nd Vcchandlungen des Landtags über die Finanz— 
forderungen der Regierun, statt. Der Ausschuß, die aus 19 Mitgliedern 
des Landtags bestehende Finanz-Kommission, hatte nach viertägigen Be— 
rathungen empfohlen, 15 Millionen Thaler zum äußeren und inneren Schutz 
der Monarchie und 25 Millionen Thaler zur Herstellung des Kredits im 
Innern des Landes und zur Erhaltung von Handel, Gewerbe und Land— 
wirthschaft dem Ministerium zu bewilligen. In der Sitzung vom 10. April 
protestirte Herr von Bismarck gegen die Bewilligung so enormer Summen, 
eine schwungvolle Rede des Herrn von Vincke für die Bewilligung entschied 
zu Gunsten derselben. Damit schloß der Vereinigte Landtag seine letzte 
Sitzung am 10. April 1848. 
[V. Bernhigungs-Klaßregeln der Behörden. Die Vürgerwehr. 
Beruhigung zu schaffen — das war die Aufgabe, die von allen Seiten 
an die Regierung gestellt wurde, worunter man denn hauptsächlich Geld— 
hbewilligungen verstand, um die Verhältnisse der arbeitenden Klasse zu bessern 
und zu heben. Es geschah denn auch Manches in dieser Richtung; eine 
andere Beruhigungs-Maßregel war die „Ausweisung“ fremder Arbeiter. 
Namentlich die städtischen Behörden ließen sich auch Maßregeln zur Besserung 
der Arbeitsverhältnisse angelegen sein. Trotz aller dieser Bemühungen war 
eine beständige Furcht vor Unruhen vorhanden, obgleich die Arbeitermassen 
sich in der That ruhig verhielten. Exzesse und Aufwiegelungen kamen nur 
ganz vereinzelt vor, ohne ernsteren Charakter. Zwischen Arbeitgebern und 
Arbeitern (in den Kattunfabriken) fand friedliche Beilegung von Lohn— 
differenzen, theilweise unter Zuziehung des Polizeipräsidenten durch die Arbeiter, 
statt. Dagegen wurden die Reibungen der Arbeiter unter und gegen einander, 
namentlich der Akkordarbeiter einerseits und der Tagelohn-Arbeiter andererseits, 
heftiger. Die Letzteren (die Erdarbeiter an den Rehbergen, die Rehberger 
genannt, siegten gegen die Akkord-Erdarbeiter; die Akkordarbeit mußte auf— 
hören. Sonstige unbedeutende Demonstrationen, freilich zuweilen mit 
Drohungen vermischt, wurden durch das Gerücht zu blutigen Kämpfen auf— 
gebauscht; vielfach fanden auch solche Demonstrationen gegen „Juden“ statt, 
bei welchen jedoch stets Aufhetzung durch gewissenlose Individuen konstatirt 
wurde. Alle solche Vorfälle wurden allgemein gemißbilligt; auch die Prokla— 
mationen an die Arbeiter, wie diejenige von Held, bezweckten Beruhigung, 
nicht Aufhetzung derselben; so auch namentlich diejenigen von Klubs und vom 
Magistrat. Aengstliche Gemüther freilich verlangten Einschreiten der Be— 
hörden, insbesondere gegen die Presse. Diesen ungerechten Forderungen trat 
der Staatsanwalt beim Kriminalgericht, von Kirchmann, im amtlichen Theile
	        
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