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Erinnerungen aus drei Jahrzehnten meines Berufs-Lebens

Full text: Erinnerungen aus drei Jahrzehnten meines Berufslebens nebst Selbstbiographie / Rittberg, Hedwig von (Public Domain)

zeben, um dasselbe der Sammlung, welche auf der Weltaus— 
stellung zu Philadelphia auslag, beifügen zu können. Es war 
dieses eine echt amerikanische Idee. Auch am nächsten Tage 
fand ich einen Brief vor, welcher das Ansuchen enthielt, nach 
einer angegebenen Redaktion meine Lebensbeschreibung nebst Bild 
einzusenden, weit es erwünscht sei, beides zu veröffentlichen. Meine 
Freundin redete mir zu, auch darauf einzugehen und so sandte ich 
pon Berlin aus, kurze Notizen ein, weiß aber nicht, ob dieselben 
an ihren Bestimmungsort angelangt sind, jedenfalls haben mir 
beide Aufforderungen Spaß gemacht. 
Für einen zweitägigen Aufenthalt hat man in New-Hork zu 
viel zuͤ sehen, um nur einigermaßen Umschau halten zu können 
und bat mich deshalb meine Freundin, meinen Nufenthalt zu ver— 
längern, sie stellte mir dabei besonders die verlockende Aussicht, 
daß ich gewiß bei vielen ihrer reichen Bekannten für meinen 
Verein eine nennenswerthe Unterstützung sammeln könne, gerade 
deshalb, weil ich eine ihrer Candsmänninnen gepflegt und auch aus 
Liebe zu deren Schwester hierher gekommen sei. Es lag ja in 
dieser begründeten Aussicht viel Verlockendes, dennoch konnte ich 
mich zu einem längeren Bleiben nicht entschließen, zumal ich das 
Schiffsbillet bereits bestellt hatte. Ich ließ mich für das Schiff 
„Suevia“ notiren, welches in Hamburg landete. Nun galt es 
die kurze Zeit auszunützen, was auch geschah. Es vergingen die 
zwei Tage schnell. Als ich meine Hotelrechnung bezahlte, welche 
siur 816 Dollar betrug, sehr wenig, zumal wir doch alles zu 
Zweien entnommen haͤte, selbst einen halben Dollar, den ich dem 
Zimmerkellner als Trinkgeld gegeben hatte, erhielt ich wieder zu— 
rück. Es wurde mir erklärt, daß die Bediensteten Trinkgelder 
nicht annehmen dürfen. Nachdem ich mich, auf Rat meiner Freundin, 
mit Austern, Kohlsalat und Porter gestärkt hatte, ging es auf das 
Schiff, allerdings in Rückerinnerung der Herreise mit etwas zag— 
haftem Herzen. Nur eine Dame mit ihrem Baby war meine 
Keisegesellschaft, alle übrigen Passagiere waren Herren. Wir be— 
schlossen gleich, uns in freundschaftlicher Theilnahme beizustehen, 
was auch kommen möge und unsere Mahlzeiten gleich von An⸗ 
fang nach dem Damensalon zu bestellen. Nachdem ich mich von 
meiner Gefährtin verabschiedet und ihr noch vielen Dank für ihre 
Güte gesagt hatte, wurde das Signal zur Abfahrt gegeben; ich 
hatte mir fest vorgenommen, die mir gegebene Reiseweisung zu be— 
folgen, weihe darin bestand mmer fapfer zu essen“ wenn auch 
mancema“ widerstrebent 74 .fände! Diesein Um—
	        
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