Path:
Zweiter Band II. Ferdinand Freiligrath

Full text: Erinnerungen aus der Jugendzeit / Rodenberg, Julius (Public Domain)

109 
Sonntag Nachmittag hell zu machen. Ich habe, seit 
ich ihn näher kenne, seinen Geist und seinen 
Charakter gleich schätzen gelernt, und freue mich auf— 
richtig seines mir durch Sie vermittelten Umganges. 
Wir haben in Ernst und Scherz manches Wort mit 
einander gewechselt diesen Winter. Von der Stiftung 
des Amara⸗Ordens (zu dessen Großmeister wir Sie 
erkoren haben), von dem Kanarienvogel mit dem 
abgeblitzten Schwanze, von der Devise „Stets offen!“ 
und anderen wichtigen Dingen wird er Sie ohne 
Zweifel schon in Kenntniß gesetzt haben. Hoffentlich 
kommen Sie bald, um ein Capitel des neuen 
Ordens abzuhalten! — Inliegend auch ein Brief 
von Deutsch, dessen Datum, fürchte ich, nur zu sehr 
wider mich (als prompten Besteller) Zeugniß ablegen 
wird! 
Mit unserem Freunde Scharf ist es aber doch 
seltsam. Der Scharf, den ich vor einem Viertel— 
jahrhundert gekannt habe, hieß bei Gott nicht Gott— 
lieb — auch nicht Schorse — sondern Karl (oder 
vielmehr Carl) Scharff, ja Scharff mit einem ff am 
Hinteren. Also hat er sich in mein Stammbuch 
eingetragen (am 14. September 1828, „zwei Tage 
vor der Abreise nach Essen“), allwo es wörtlich heißt: 
„Ver urchlesung dieser wenigen Zeilen erinnern 
Sie sich noch recht oft 
Ihres Freundes 
Carl Scharff, 
gebürtig aus Rodenberg, 
in der Grafschaft Schaumburg, 
hefsifchen Antheils.“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.