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Erster Theil. Briefe aus den Jahren 1830-1832 An den Professor Zelter in Berlin. Rom, den 1. December 1830

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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schreibe bei offenem Fenster. Leben Sie wohl und gedenken 
Sie freundlich 
Ihres treuen 
Felix Mendelssohn Bartholdy. 
An seine Familie. 
Kom, den 7. December 1830. 
Zum ausführlichen Brief, den ich schreiben wollte, komme 
ich auch heute nicht. Gott weiß, wie die Zeit hier verfliegt. 
In dieser Woche habe ich mehrere sehr liebenswürdige englische 
Familien kennen gelernt, die mir auch wieder vergnügte Abende 
im Winter versprechen; mit Bunsen bin ich sehr viel; auch 
Baini denke ich recht auszukosten. Ich glaube, er hält mich 
für einen „brutissimo Tedesco“, so daß ich ihn ganz prächtig 
kennen lernen kann. Mit seinen Compositionen freilich ist es 
nicht weit her und so überhaupt mit der ganzen Musik hier. 
An Lust möchte es wohl nicht fehlen; aber es fehlt an den 
Mitteln gänzlich. Die Orchester sind unter allem Begriff; 
als prima donna assoluta ist Mlle. Carl* für die Saison 
an den beiden Haupttheatern engagirt, ist schon eingetroffen 
und fängt an la phuie et le beau temps zu machen. Die 
päpstlichen Sänger sogar werdenalt: sind fast ganz unmusikalisch, 
treffen selbst die herkömmlichsten Stücke nicht richtig, und der 
ganze Chor besteht aus 32 Sängern, die aber nie beisammen 
sind. Concerte werden in der sogenannten philharmonischen 
Gesellschaft gegeben, aber nur am Clavier; Orchester ist nicht 
dabei, und als sie neulich versuchen wollten, die Schöpfung 
von Haydn zu geben, so hielten es die Instrumente für un— 
möglich, sie zu spielen. Wie die Blase-Instrumente gar klingen, 
davon hat man in Deutschland nirgends eine Ahnung. — 
Da nun der Papst gestorben ist, den 14ten das Conclave 
anfängt, und also mit den Ceremonien der Beerdigung und 
Früher 
Sängerin am Königlichen Theater zu Berlin.
	        
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