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Briefe aus den Jahren 1833-1847 An Paul Mendelssohn Bartholdy. Leipzig, den 31. October 1846

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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vergnügt an dem Tage? Waren auch die Deinigen recht 
wohl? (Das liegt aber wieder einmal mit in der vorigen 
Frage!) Hast Du auch einen Kuchen mit Lichtern gehabt? 
(Das ist allerdings eine neue Frage, aber zum Lebensglück 
nicht absolut nothwendig.) Hast Du auch schöne Sachen ge— 
schenkt bekommen? (Wieder so!) Ist aber auch Chocolade ge— 
trunken worden? Waren die Geschwister auch da, oder Du 
bei ihnen zu Mittag oder Abend? Habt Ihr auch an uns 
gedacht? — Gott segne Dich, mein lieber Bruder, an dem 
Tage, und an jedem Deines Lebens! — 
Es ist eine Schande, daß ich Dir noch für den schönen 
Dahlmann zu danken habe. Aber noch schlimmer ist's, daß 
solche ordentliche — gar nicht außerordentliche — aber ehr—⸗ 
liche, tüchtige, wahre Worte Einem so selten jetzt im Vater⸗ 
lande entgegentreten. Und das liegt wieder darin, daß sich 
die Mittelmäßigkeit, ja, noch schlimmer, die abgeschmackte 
Oberflächlichkeit in Deutschland so unglaublich rührt, so breit 
macht, daß ein Jeder lieber unterducken möchte. Und darin 
liegt es auch wieder mit, daß ich immer verhindert gewesen 
bin, Dir auch nur zu danken. — Einen solchen Sturm von 
Fremden, von Anfragen, Zumuthungen nund fast alle so 
sehr fruchtlos — und viele so verschämt— und viele so un—⸗ 
verschämt, — sind mir noch gar nicht vorgekommen. Sänger, 
Spieler, Compositionen in hellem Hauf, und fast nichts, das 
nur mittelmäßig zu nennen wäre, und dagegen Alles voll der 
größten Worte, voll nationalen Bewußtseins, voll — zwar 
nicht Streben nach dem Höchsten, aber Ansprüche an das 
Oberste. Und dem gegenuüͤber die Unmöglichkeit, auch nur 
einen dieser Ansprüche mit gutem Gewissen zu erfüllen oder 
zu empfehlen. Doch was brauche ich Dir das alles zu sagen! 
Du kennst es in Deinem Fache gewiß ebenso, denn es erstreckt 
sich über alle Fächer. — Mich aber bestärkt es in meinem 
Vorsatz, nicht länger als ein paar Jahre diese öffentliche 
Beamtenstellung beizubehalten, und so wie es frücher Pflicht 
war, eine solche Stellung nach Kräften auszufüllen, so wird 
es jetzt nachgerade Pflicht, daraus zu scheiden. — Es baut 
sich hier nach und nach ganz schön zusammen; Moscheles wird 
sehr kräftig beim Conservatorium eingreifen, wie es scheint; 
die Concerte gehen auch ihren rechten ruhigen Gang nach wie
	        
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