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Briefe aus den Jahren 1833-1847 An Paul Mendelssohn Bartholdy. Soden, den 19. Juli 1844

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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und ich trennte mich mit wahrem Leid von der Idee! Ein 
seltsamer Abstand ist nun, von der gewaltigen Aufregung dort 
hier in den stillen Ort hinein, wo ein Spaziergang von zehn 
Minuten Einen auf die Höhen des Taunus bringt, mit der 
Aussicht über das Main- und Rheinthal bis Frankfurt, 
Worms und Mainz. Da kann man tagelang hinaussehen, 
braucht weiter nichts, und thut ebenso viel oder eigentlich mehr 
als dort in dem Treiben. 
Dein 
Felix. 
An Fanny Hensel in Berlin. 
Soden, den 25. Juli 1844. 
Wenn Du nicht auf vierzehn Tage nach Soden kommen 
und mit mir die unglaubliche Behaglichkeit dieses Landes und 
Aufenthalts genießen kannst, so helfen alle Beschreibungen zu 
nichts. Und ich weiß ja leider, daß Du nicht kommst. Darum 
beschreibe ich aber auch wenig. Die Meinigen erholen sich mit 
jedem Tage mehr und mehr, und ich liege unter Aepfelbäumen 
und großen Eichen; in letzterem Falle bitte ich den Schweine⸗ 
hirten, daß er seine Thiere unter einen andern Baum treibt, 
um mich nicht zu stören (gestern vorgefallen!); ferner esse ich 
Erdbeeren zum Kaffee, zum Mittag und zum Abend, trinke 
Asmannshäufer Brunnen, stehe um sechs Uhr auf, und schlafe 
doch neuntehalb Stunden (wann gehe ich da zu Bette, Fanny?), 
besuche alle wunderschönen Umgegenden, treffe auf dem roman⸗ 
tischsten Punkt Herrn B. (gestern vorgefallen!), der mir neue 
und gute Nachrichten von Euch allen giebt und mich General⸗ 
musikdirector nennt, was mir hier so fremd klingt, wie Dir 
Oberursel und Lorschbach und Schneidheim; ferner besuchen 
mich Lenau und Hoffmann von Fallersleben und Freiligrath 
gegen Abend und ich bringe sie Stunde weit über's Feld
	        
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