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Briefe aus den Jahren 1833-1847 An Paul Mendelssohn Bartholdy. Leipzig, den 16. September 1843

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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vor in einer ihren Leistungen und den Zeitumständen unan⸗ 
gemessenen, in einer drückenden Lage bleiben, während das 
Ganze durch sie gedeiht und die Stadt selbst Ehre und Nutzen 
von ihnen hat? 
Nur wenig Worte erlaube ich mir noch über die Sub— 
stitutenOrdnung beizufügen, die ich vielmehr die Substituten⸗ 
Unordnung nennen möchte. Denn es ist schwer, sich von 
diesem Unwesen einen Begriff zu machen, wenn man es nicht 
aus Erfahrung genau kennt, wie ich dazu Gelegenheit hatte. 
Auch dies ist in früheren Eingaben ausführlich dargethan, 
und ich füge nur ein eben erlebtes Beispiel hinzu. Im vor⸗ 
gestrigen Concert haben die Clarinettisten für ihre Theater⸗ 
substituten jeder einen Speciesthaler geben müssen, so daß 
der eine von ihnen für seine Mitwirkung in Probe und Auf⸗ 
führung des ersten Abonnements⸗-Concertes 8 Groschen Cou⸗ 
rant — bezahlt hat. — Man wird sagen: so müßten die 
Concertgehalte erhöht werden; aber das würde dem Unfug 
nicht steuern, — nur eine feste Ordnung kann dies. Im 
Gegentheil wäre gerade zu wünschen, daß der Maßstab, der 
zur Bezahlung der Concerte zu Grunde liegt, auch zur Be— 
zahlung der Extravorstellungen im Theater genommen würde, 
die ja ziemlich gleiche Zeit und gleiche Kräfte beanspruchen. 
Und dies bringt mich auf den letzten Punkt, den ich zu 
berühren habe. Wenn sich nämlich der Erledigung aller 
jener Uebelstände die größten Schwierigkeiten entgegenstellen, 
welche Schwierigkeit kann es haben, die früher festgestellten 
Sätze für die Extravorstellungen um ein Bedeutendes zu er⸗ 
höhen? Sie sind bisher in keinem Verhältniß zur Mehr⸗ 
Einnahme des Theater⸗-Unternehmers, das ist offenkundig; sie 
sind in keinem Verhältniß zu der Vergütung für andere 
außergewöhnliche Dienstleistungen, wie Concerte, Kirchen⸗ 
musiken u. dergl., sie sind nicht einmal im Verhältniß zu der 
Bezahlung, die für Bälle, Hochzeitsmusiken u. s. w. dem Stadt⸗ 
musikus taxmäßig zusteht. Daß sich eine solche Erhöhung 
ohne Schwierigkeit, und ohne dem Theater-Unternehmer im 
Mindesten zu nahe zu treten, bewirken läßt, davon bin ich 
fest überzeugt. Ein Theil der gerechten Klagen des Orchesters 
würde dadurch beseitigt. Möchten fie alle die Berücksichtigung 
finden, die sie ihrer Billigkeit und Gerechtigkeit nach verdienen!
	        
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