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Briefe aus den Jahren 1833-1847 An Paul Mendelssohn Bartholdy. Leipzig, den 16. September 1843

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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tung ja kein Schutz, sondern ein Schaden für das Orchester. 
Es müßte dann nothgedrungen Jahr aus Jahr ein in einer 
Lage bleiben, die in keiner andern deutschen Stadt solchen 
Ranges wie Leipzig ihres Gleichen hat. 
Dies führt mich auf den dritten Punkt. Man hat ge— 
sagt, eine Vergleichung der hiesigen Gehalte mit denen in 
anderen Städten sei unstatthaft. Aber wie kann man denn 
auf bessere Art zu einem Maßstab über Billigkeit oder Un—⸗ 
billigkett von derartigen Bezahlungen kommen? Wenn in 
anderen Städten die Orchester besser bezahlt sind, wenn die 
Theater⸗Unternehmer trotz dessen nicht Bankerott machen (und 
ich glaube, daß noch niemals irgend eine Theater-Unter⸗ 
nehmung an einer zu hohen Besoldung des Orchesters ge— 
scheitert ist), wenn au die Leistungen der hiesigen Musiker dabei 
dieselben Ansprüche gemacht werden wie dort, — sollte daraus 
nicht klar hervorgehen, daß hier dasselbe möglich sein müsse 
wie dort? Die Gehalte, welche das Orchester in Frankfurt 
am Main blos vom Theater bezieht, sind nicht allein 
höher, als die hiesigen sein würden, wenn die jetzt erbetene 
Zulage bewilligt wäre, sondern sie sind fast durchgängig 
höher, als die hiesigen für Theater, Concert und 
Kirche zusammengenommen, selbst wenn die Zulage be— 
willigt würde. — Sollte das nicht schon beweisen, daß die 
Bitten des hiesigen Orchesters nicht unbillig sind? daß der 
Theater-Unternehmer sie ohne Gefahr bewilligen kann? Ja, 
sollte man nicht versucht sein, aus ihrer Verweigerung zu 
schließen, daß diese Stadt ihre Musiker gegen die einer an—⸗ 
dern ähnlichen Stadt herabsetzt? Und das kann doch nimmer⸗ 
mehr der Fall sein; denn die Leistungen unseres Orchesters 
sind ja nicht allein denen des Frankfurter, sondern denen 
aller anderen deutschen Städte an die Seite zu setzen, ja den 
meisten mir bekannten unbedingt vorzuziehen! Den guten, 
weit verbreiteten musikalischen Ruf, den Leipzig in ganz 
Deutschland genießt, verdankt es einzig und allein diesem 
Orchesier, dessen Mitglieder sich auf's Kümmerlichste, auf's 
Traurigste behelfen müssen; jener gute Ruf ist gewiß nicht 
ohne materielle Vortheile für die Stadt Leipzig, der geistigen 
Vortheile für die Kunst zu geschweigen; sollen denn die Ein— 
zelnen, denen man so günstige Resultate schuldig ist, nach wie
	        
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