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Briefe aus den Jahren 1833-1847 An Paul Mendelssohn Bartholdy. Leipzig, den 13. Februar 1841

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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Münchhausen habe ich früher, doch nur den ersten Band ge— 
lesen; da gestehe ich Dir aber, daß mich die erste Hälfte des⸗ 
selben, die Du auch nicht lobst, so verdroß, daß ich auch in 
der zweiten verstimmt blieb, obwohl ich das viele Schöne 
nicht verkenne, das die zweite Westphälische Hälfte enthält, 
wie jedes seiner mir bekannten Werke. Aehnlich geht mir's 
mit der Recension von X. Wenn ich da einen Gesellen mit 
allen guten Fähigkeiten vom lieben Gott ausgerüstet Jahre 
lang herum spazieren und seine wirklich schönen Fähigkeiten 
dazu brauchen sehe, in Zeitungen zu schreiben und eine 
Recension über ein Buch, das seinerseits wieder vielleicht 
besser ungeschrieben geblieben wäre, wenn der Buchhändler 
nicht Geld dafür bezahlte, — und außerdem nichts in der 
Welt weiter bringen, nichts befördern, nichts hinstellen, da 
meine ich zuweilen, das sei die einzige Gotteslästerung, die 
es auf der Welt gebe, und mag auch von der guten Recension 
nichts wissen, und achte jeden ordentlichen Buchbinder und 
Schuster höher. Das ist wohl einseitig, auch wohl zu streng, 
— aber ich weiß einmal nichts Schlimmeres, als den Miß⸗ 
brauch oder den Nichtgebrauch der Gottesgaben, und habe 
keine Theilnahme an Spielerei damit. — 
Pfui, wie ich in's Schimpfen gekommen bin! Und hab' 
Dir noch nicht gedankt für das Gute, Liebe, Freundliche, was 
Du von meiner Musik sagst! Im Gegensatz zu Andern mußt 
Du sie aber nicht so hoch stellen; und damit sie nur allein 
für sich das Gute verdient, das Du von ihr denkst, dazu 
müßte sie erst noch viel besser werden. Aber ich hoffe, das 
wird sie auch. Wenigstens meine ich, das Recitativ und die 
Mitte meines Lobgesanges sei wärmer und lebendiger, als 
das Andere, was ich bis dahin gemacht. Wann singen wir 
Dir es erst vor! —— 
Damit schließe ich die Epistel. Schreib' auch Du mir 
bald wieder eine. 
Den 
Felix.
	        
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