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Briefe aus den Jahren 1833-1847 An I. Moscheles in London. Leipzig, den 30. November 1839

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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auch rühren, wenn Du's in der Nähe sähest und dabei hörtest, 
pie die Leute alle ihre Kräfte anspannen, um was Gutes zu 
leisten. 
Hat Onslow nichts Neues geschrieben? Und der alte 
Cherudini? Das ist doch ein einziger Kerl! Ich habe da 
seine Abenceragen und kann nicht aufhören, mich an diesem 
petillauten Feuer, an den geistreichen, eigenthümlichen Wen⸗ 
dungen, an der außerordentlichen Zierlichkeit und Feinheit, 
mit der Alles geschrieben ist, zu erfreuen und dem alten Pracht⸗ 
mann dafür zu danken. Dc?ift Alles so frei und keck, und 
so höchst lebendig! 
An Fanny Hensel in Rom. 
Leinttg den 4. Januar 1840. 
Dies Blättlein soll nach Roma gehn, 
Und wünschen Gläck zu Neuijahr schön! 
Im Bänkelsängerstyl fängt der Brief an; wenn Du gerade 
auf dem Colosseum stehst, indem Du ihn empfängst, so werde 
ich mich grotesk damit ausnehmen. Wo wohnst Du in Rom? 
Hast Du schon Broccoli mit Schinken gegessen? Auch Zuppu 
Hglese? Steht das Kloster San Giovannine Paolo noch? 
Und scheint Dir auch die Sonne immer Morgens auf die 
Buttersemmel? Eben habe ich dem Ferdinand Hiller Deine 
Capricen aus Bdur, Gdur, Edur und Fdur vorgespielt, und 
wir haben uns beide gewundert und durchaus den Pferdefuß 
darin entdecken wollen, aber es war nichts. Es blieb beim 
reinen Vergnügen. Da schwur ich, jetzt müßte ich mein hart— 
näckiges Stillschweigen brechen. Verzeih' es mir! Es ging 
damit so zu: Erst kam die Taufe, und mit ihr Mutter und Pauls. 
Inzwischen hatten die Abonnement-Concerte angefangen. Dann 
reisste Mutter; nach vierzehn Tagen Pauls. Dann kam Hiller, 
wohnte auch bei uns, wollte acht Tage bleiben, hörte ein paar 
Proͤben, und entschloß sich, den ganzen Winter zu bleiben.
	        
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