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Briefe aus den Jahren 1833-1847 An Professor Schirmer in Düsseldorf (gest. 1863 als Director der Akademie in Carlsruhe). Berlin, den 21. November 1838

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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(gest. 
—— 
Schirmer in Düsseldorf. 
Rirector der Akademie in Carlsruhe). 
?* 0 November 1838. 
Nsell ein Frommer geworden 
—RB er meint was ich mir unter dem 
Worte frotem dente und was auch Du wohl nach Deiner 
Aeußerung darunter verstehen wirst, so kann ich nur sagen, 
ich bin es leider nicht geworden, aber ich arbeite jeden Tag 
meines Lebens nach Kräften daran, mehr und mehr es zu 
werden. Freilich weiß ich, daß ich es niemals so ganz und 
gar werden kann, aber wenn ich mich auch nur nähere, ist's 
gut. Wenn aber die Leute unter einem Frommen einen 
Pietisten verstehen, einen Solchen, der die Hände in den 
Schooß legt und von Gott erwartet, daß er für ihn arbeiten 
möge, oder einen Solchen, der statt in seinem Berufe nach 
Vollkommenheit zu streben, von dem himmlischen Berufe 
spricht, der mit dem irdischen unverträglich sei, oder Einen, 
der keinen Menschen und kein Ding auf dieser Erde von 
ganzem Herzen lieben kann, — ein solcher bin ich nicht ge— 
worden, Gott sei Dank, und hoff's auch nicht zu werden 
mein Leben lang. Und gerade weil ich so gerne recht fromm 
leben und sein möchte, darum hat's, hoff' ich, mit dem Andern 
keine Noth. Sonderbar ist's wieder, daß sich die Leute 
diese Zeit aussuchen, so etwas zu sagen, da ich durch mein 
inneres und äußeres Leben, durch meine neue Häuslichkeit, 
sowie durch fleißiges Arbeiten so glücklich bin, daß ich immer 
nicht weiß, wie ich's anstellen soll, dankbar genug zu sein. 
Und wenn Du mich auf den Weg zu Ruh' und Frieden 
wünschest, so hab' ich nie so ruhig und friedlich zu leben ge— 
dacht, als mir's jetzt zu Theil geworden ist. Hab' tausend 
Dank für Deine guten Wünsche, und sei nicht besorgt wegen 
der beiden Sachen. 
Sehr lieb ist mir, was Du mir über Dich und Deine 
Arbeiten schreibst, und daß auch Du der Meinung bist, daß 
.
	        
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