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Briefe aus den Jahren 1833-1847 An Felix Mendelssohn Bartholdy in Düsseldorf von seinem Vater. Berlin, den 10. März 1835

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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betrachtet; aber sie haben auf eine sehr glückliche Weise statt 
des aliten positiven und fast übersinnlichen Religionsmotivs 
dasjenige ergriffen, welches die Natur, als sichtbare Emanation 
der Gottheit, in ihrer Allgemeinheit und ihren tausendfältigen 
Einzelnheiten jedem offenen Gemüth einflößt. — Daher die 
unendlich tiefe, aber auch heitere, allgemein gültige und ge— 
wiß echt religiöse Wirkung dieser beiden Werke, die bis jetzt 
ganz allein stehen; — daher das Zusammenwirken aller hin 
und' wieder kleinlichen, spielenden Einzelnheiten derselben mit 
dem großartigsten und treuesten Gefühl des Dankes, welches 
aus dem Ganzen hervorquillt, und daher kömmt es auch, daß, 
ich wenigstens, das Krähen des Hahnes, das Singen der 
Lerche, das Gebrüll des Rindviehs und die Fröhlichkeit des 
Landvolkes, sowohl in der Schöpfung als auch in den 
Jahreszeiten, ebenso wenig gern vermissen würde, als in der 
Ralur fselbst. — Mit anderem Worte: Schöpfung und Jahres— 
zeiten find auf Natur und sichtbaren Gottesdienst gegründet, 
und sollten de nicht noch neue Stoffe für die Musik zu 
finden sein 
Die Veröffentlichung des Goethe'schen Briefwechsels mit 
einem Kinde halte ich fuͤr einen wahrhaft ärgerlichen und 
verderblichen Mißbrauch der Presse, durch welchen schnell und 
immer schneller alle Illusion zerstört wird, ohne die das Leben 
ein Tod ist. Lebe Du mit Illusionen wohl und erhalte Dir 
die kindliche Anhänglichkeit an 
Deinen 
Vater. 
An seinen Vater. 
Düsseldorf, den 23. März 1835. 
Lieber Vater! 
Ich habe Dir noch zu danken für den letzten Brief und 
mein Are; ich kann es oft gar nicht begreifen, wie es möglich 
ist, über Musik ein so genaues Urtheil zu haben, ohne technisch
	        
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