Path:
Erster Theil. Briefe aus den Jahren 1830-1832 An seine Familie. Paris, den 4. Februar 1832

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

243 
und er hatte mich auch lieb; und das Bewußtsein, daß solch 
ein Mensch in der Welt sei, bei dem man ausruhen konnte, 
und der Einem zu Liebe lebte und der nichts wollte, als eben 
blos dasselbe: Das ist nun vorbei. Es ist der härteste Ver⸗ 
lust, der mich bis jetzt hat treffen sollen, und ich werde ihn 
niemals vergessen. 
Das war meine gestrige Geburtstagsfeier. Schon wie 
ich am Dienstag Baillot hörte und zu Hiller sagte, für mich 
spiele doch nur einmal Einer die Musik, die ich liebte, da 
schon statrd L. neben mir und wußte es und gab mir den 
Brief nicht. Er wußte freilich nicht, daß gestern mein Ge— 
burtstag war; aber gestern früh erfuhr ich es nach und nach 
durch ihn, und da konnte ich mich nun an die vorigen Jahres⸗ 
tage erinnern und mit der Vergangenheit ein wenig abschließen, 
wie man es wohl immer am Geburtstage sollte, und mir 
denken, wie er sonst an dem Tage immer mit irgend etwas 
Besonderem kam, das er sich lange ausgedacht hatte, und das 
so nett und erfreulich und liebenswürdig war, wie er selbst. 
Der Tag war sehr traurig; ich konnte nicht Anderes denken 
und thun, als Dasselbe. 
Heute habe ich mich zum Arbeiten gezwungen, und es 
ist gegangen. Meine Amoll-Ouvertüre ist beendigt; ich denke 
nun einige Sachen zu schreiben, die man hier gut be— 
zahlen will. 
Sagt mir, bitte, noch recht viel über ihn und alle mög— 
lichen Kleinigkeiten; es thut mir wohl, noch einmal über ihn 
zu hören. Vor mir liegen seine zierlichen Octett-Stimmen 
und gucken mich au. Ich werde wohl bald wieder meine 
gewöhnliche Stimmung haben und Euch munter und ausführ⸗ 
lich schreiben können; aber der neue Abschnitt ist angefangen, 
und Überschriften giebt es nicht. 
Euer 
Felix. 
3*
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.