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Erster Theil. Briefe aus den Jahren 1830-1832 An seine Familie. Rigikulm, den 30. August 1831

Full text: Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mendelssohn Bartholdy / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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endlich beim Nonnenkloster vorbei, sangen ihnen ein Ständ⸗ 
chen und gelangten nach St. Gallen. — Da war es denn 
überstanden, und gestern fuhr ich von dort hierher, fand 
Abends eine wundervolle Orgel, wo ich „Schmücke dich, o 
liebe Seele“ spielen konnte nach Herzenslust. Heute geht es 
auf Memmingen, morgen auf Augsburg, übermorgen so Gott 
will nach München, und so bin ich in der Schweiz gewesen. 
Es hat Euch vielleicht gelangweilt, wenn ich Euch alle unbe— 
deutenden Kleinigkeiten schrieb; — aber die Zeit ist so böse; 
da brauchen wir es nicht zu sein, und wenn ich Euch mein 
Tagebuch schicke, so war es blos, um Euch zu sagen, wie 
ich überall, wo es mir wohl ist, wo ich Freude habe, Euer 
gedenken muß und bei Euch bin. — Der schmutzige, nasse 
Fußreisende nimmt Abschied und will als Städter mit Visiten— 
karten, reiner Wäsche und einem Frack wieder schreiben. 
Lebt wohl. 
Felix. 
An seine Familie. 
München, den 6 October 1831. 
Münchener Bürgerbrief. 
Das ist ein prächtiges Gefühl, wenn man des Morgens 
aufwacht und ein großes Stück Allegro zu instrumentiren hat 
mit mannigfaltigen Hobobden und Trompeten, und draußen 
dazu das heiterste Wetter, das einen frischen weiten Spazier⸗ 
gang Nachmittags verspricht. So habe ich es nun eine volle 
Woche lang gehabt; der freundliche Eindruck, den mir München 
das erste Mal machte, ist diesmal noch sehr erhöht. Ich 
wüßte kaum einen andern Ort, wo mir so behaglich und 
bürgerlich zu Muthe wäre, wie hier. Vornehmlich ist es 
aber gar zu angenehm, unter lauter heitern Gesichtern zu 
leben, selbst eins mit zu machen und alle Menschen auf der 
Straße zu kennen. Nun habe ich mein Concert vor mir,
	        
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