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II.

Full text: Fünfzig Jahre im preussischen Hofpredigerdienste / Kvacala, Jan (Public Domain)

die sich manche Bedenken erhoben, erfolgte auf eine Anordnung 
des Königs, der sich durch seinen Hofpredizyer informieren liess‘). 
War auch die neue Gemeinschaft ihrer Geistesart und ihrer Ver- 
fassung nach nicht die Fortsetzung der alten Unität, so war sie 
offenbar ein grosser Gewinn und Vortheil für die, die ihren Glau- 
ben in der Heimath nur zerstreut und geheim bekennen durften, 
daher die freudige Bewegung, die sich in den begrüssenden Wor- 
ten Jablonsky’s aus Anlass der Weihe bekundet. 
Aber auch aus den habsburgischen Ländern erscheinen Bitt- 
steller am preussischen Hofe. Mit Ungarn und Siebenbürgen 
dauerte die Verbindung bis Jablonsky’s Tode fort. Auch ver- 
mittelte er die Bitten der evangelischen Böhmen, und mit Freude 
empfing er aus Amsterdam eine grössere Ladung böhmischer 
religiöser Bücher, die bestimmt waren für „nos pauvres Boh6- 
miens“, Bekanntlich entstand bei Berlin unter dem Beistand 
des preussischen Königs eine evangelische böhmische Gemeinde, 
mit erfreulich frischem inneren Leben, eine Nachblüthe, wie sie 
auf einem Boden, der bloss zur Hälfte günstig, doch fruchtbar 
werden kann. Eifrig suchten ihn auch mit ihren Bitten die rück- 
sichtslos behandelten Schlesier auf, seit dem westphälischen Frie- 
den verloren sie an Hunderte ihrer Kirchen: Jablonsky sollte 
sie über ihre Rechte orientieren. Aehnlich die Städte Danzig, 
Thorn, Elbing. Und als auf den Trümmern .der Zerstörung, 
die der „christlichste König“ Ludwig XIV. an der Kirche seiner 
thätigsten und treuesten Bürger, der Huguenotten, angerichtet, 
ein neues Leben erstehen sollte, wandte sich deren Apostel, An- 
toine Court, ein Mann von altchristlichem Opfermuth, mit der 
Bitte um Kräftigung und Unterstützung auch an den in der 
ganzen evangelischen Welt wohlbekannten Hofprediger zu Ber- 
lin. Und auch der Ocean verschloss seinem Geiste die Liebes- 
wege nicht: seine Fürsorge und Theilnahme erstreckte sich auch 
auf die Protestanten des neuen Welttheils, wo eine mährische 
Kirche aufzuleben begann ?). 
Bei der zeitweiligen Freundschaft zwischen Berlin und dem 
1) Ueber die vielfachen strittiven Nebenurstände mus* ich auf die zusammen- 
fassende Darstellung bei Ritschl: Geschichte des Pietismus I, 302 ff. verweisen. 
2) Der Gelegenheitscharakter der gegenwärtigen Schrift möge entschuldigen, 
wenn ich die Schrift von Schweinitz: The history of the Unity etc, 1885 nicht benutzen 
konnte. sie hlieh mir trotz mancher Bemühung unzugäneglich.
	        
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