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Anhang II. Zu Kapitel 8

Full text: Das Leben des Staatsrath Kunth / Goldschmidt, Friedrich (Public Domain)

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mit dem harten Verfahren des Generals von Wolfersdorf trieb viele 
Fabrikarbeiter aus der Grafschaft Mark ins Bergische. Von dieser Zeit 
datirt der große Flor der Elberfeldischen Fabriken. Auch ist der spätere 
Anwachs der Stadt überall im Aeußern sichtbar. Jetzt gehet man damit 
um, Häuser auf Aktien zu bauen, um das Unterkommen der Fabrik 
arbeiter zu erleichtern. 
Noch sind viele der jetzigen großen Verleger Söhne der ersten 
Stifter ihrer Fabriken, die im Kleinen, oft als ehemalige Werkmeister 
ailterer Anstalten begannen, und Mancher gedenkt dessen nicht ungern, 
gleichsam zur bescheidenen Entschuldigung eines gewissen Mangels an 
allgemeiner Bildung, die sonst bei Vorstehern so großer Geschäfte wohl 
zu erwarten wäre. 
Die eigentliche Leinwandweberei ist indessen auch in Elberfeld der 
Baumwollweberei gewichen, so daß Artikel, die man sonst vorzugsweise 
von Elberfeld benannte, z. B. die Bonten (Buchlinnen, toile à Matelots) 
hier kaum noch gefunden werden. 
Jetzt sind die Hauptgegenstände: 
Leinenband und Schnüre, wie gewöhnlich verbunden mit 
Wollen-, wenigstens gemischtem, auch mitunter Baumwollen- und Frisolet⸗ 
Band, und gewebten Spitzen, in welche man jetzt ebenfalls gern etwas 
Baumwollengarn, zur Erhöhung der Figuren zieht. 
Hiermit beschäftigen sich 11 Fabrikanten, unter denen ich Leonhard 
Feldhoff und Gebrüder Frowein mit Achtung nenne;: jenen, dessen ich 
schon oben erwähnt, als einen Mann, der den preußischen Staat im 
Ganzen, auch Preußen und Schlesien, durch Reisen und gegenseitigen 
Handel kennt, und die öffentliche Verwaltung aus einer höhern Ansicht 
beurtheilt (Er äußerte bestimmt: die Zölle anderer Staaten könnten sein 
Geschäft nicht stören. Seine Fabrikate wären allgemeines Bedürfniß. 
Die Zölle belasteten nur die Konsumtion), diese als Muster einfacher 
Sitte und stiller Zufriedenheit. Der Ruf ihrer Fabrik ist so groß und 
begründet, bis nach Süd- und Nordamerika, daß sie nicht einmal ge— 
druckte Adressen besitzen. Die Fabriken beider übersteigen nach ihrer 
Größe, der Menge der vorhandenen, beinahe das ganze Haus durch 
drei Stockwerke fuͤllenden Materialien oder Fabrikate, von denen neue 
fortwährend eingehen, andere vollendet und abgesondert werden, viele 
bon der größten Feinheit und Sauberkeit sind, fast die Vorstellung, die 
man sich von ähnlichen Anlagen machen könnte. 
Die Weberei, auf Mühlen, ist zum allerkleinsten Theil am Orte, 
sondern auf dem Lande, weit umher zerstreut, bis über Schwelm in die 
Grafschaft Mark hinein. Die Mühlen gehören den Webern. 
Der Geldwerth aller Elberfelder Leinen-Bandfabrikate muß be— 
deutend sein, und die in den Listen angegebene halbe Million Thaler 
weit übersteigen. Ich möchte ihn blos bei den genannten beiden Fällen 
auf eine Viertel Million schätzen.
	        
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