Path:
Anhang II. Zu Kapitel 8

Full text: Das Leben des Staatsrath Kunth / Goldschmidt, Friedrich (Public Domain)

222 
glaubte ich der Nachricht, die er haben wollte, daß diese Fabrik Staats— 
fabrik geworden sei oder werden sollte, widersprechen zu müssen, und 
dies um so mehr, je erfreulicher es ist, wenn bei uns im Fabrikwesen 
einmal etwas Neues und Großes, zumal durch den Verein Mehrerer 
zu Stande kommt, ohne daß der Staat die Kosten trägt. Er klagte 
sehr über den Verlust eines großen Theils seines ehemaligen, auf die 
ganze Oberlausitz sich erstreckenden Alleinrechts zum Lumpensammeln, 
über unsern hohen Lumpenausfuhrzoll, und über die hohen Eingangs- 
abgaben von Papier. Seine Fabrikate sind auf den allgemeinsten Ge— 
brauch berechnet, und zeichnen sich daher weniger durch Schönheit aus, 
als durch Festigkeit. Ich lege einige Proben davon, 11 Bogen, zu 
hochgefälliger Ansicht gehorsamst bei. 
Eine bloß historische, nicht Kunstmerkwürdigkeit, zu Bauzen ist im 
Schlosse, der einzigen Königlichen Domäne in der ganzen sächsischen 
Lausitz, im sogenannten Audienzsaal, eine Decke von Stuck, welche die 
Geschichte der Verleihungen der Lausitz, von Karl dem Großen an, in 
7 Feldern darstellt. 
Löbau, die älteste unter den Sechsstädten, schon im Jahre 706 
erbaut, dem Range nach die letzte, auch die kleinste, von etwas über 
300 Häusern und um 2500 Einwohnern, ist ein freundlicher Ort, un— 
geachtet noch viele Schindeldächer vorkommen, selbst am Markte. Es 
hält sich in guter Nahrung durch das platte Land und seine Märkte, 
besonders wenn reichliche Getreidezufuhr aus Schlesien und Absatz nach 
Böhmen ist, wie zur Zeit meiner Anwesenheit, am 20. Julius, der 
Fall sein sollte. Damals stand der Roggen um 1 Thaler 16 Groschen 
bis 1 Thaler 21 Groschen der Berliner, oder 3 Thaler 6 Groschen bis 
3 Thaler 16 Groschen der Dresdner Scheffel. 
Der Haupthandel ist mit Leinwand, und die Hauptartikel, wie 
hekannt, sind die weiß und blauen Waaren, Matrosenleinwand (Buch— 
linnen, Bonten) und Cistados, jene gewürfelt, diese gestreift (Cista ist 
spanisch, und heißt Leiste) nur durch mehr oder weniger Blau ver— 
schieden, sodann die Creas (weißgarnige, wohl von erdu, ungebleicht, 
obgleich durch cruas im schlesischen Handel ganz rohe Waare, wie sie 
vom Stuhl kommt, bloß ausgebürstet, bezeichnet wird) in beiden Lege— 
arten, à la Morlaix und en rouleaux, die letztere jetzt am meisten ge— 
sucht, das Stück nominell von 108, reell von wenigstens 106 sächsischen 
Ellen, bei 14,2 Elle Breite, wie in Schlesien; aber von einer solchen, 
ganz eigentlich lederartigen Festigkeit, wovon man sich nur durch die 
Ansicht selbst eine Vorstellung machen kann. Ein Doppelstück der 
derbsten Art hatte ich Mühe aufzuheben. Das Gewicht eines einfachen 
wurde zu 14 Zentner glaublichst angegeben, welches für die laufende 
Elle ungefähr sieben Loth beträgt. Solche Waare ist mir in Schlesien 
nie vorgekommen. Auch lassen schlesische Kaufleute, wenn etwas ganz 
Tüchtiges verlangt wird, hier expediren. Dagegen ist die bunte (blau— 
gemischte) Waare nur dünn. und erhält nur durch die Appretur einiges
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.