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Siebentes Kapitel. Unter dem Staatskanzler Hardenberg. 1810-1815

Full text: Das Leben des Staatsrath Kunth / Goldschmidt, Friedrich (Public Domain)

muß ich es dankbar rühmen, daß, als der Minister mich wieder zu 
gewinnen suchte, ohne doch seinen Beschluß zurücknehmen zu wollen, 
Eure Mutter mich in meinem Benehmen bestärkte und sich zu allen 
Entsagungen verstand, welche davon die Folge sein könnten. Viele 
verständige und rechtschaffene Männer, auch Mancher, den ich sonst 
nicht zu meinen persönlichen Freunden zu zählen hatte, erklärten 
laut, daß ich recht gehandelt. Ich erwartete, mit einer Pension 
entlassen zu werden. Statt dessen empfing ich ein sehr wohlwollendes 
Kabinetsschreiben, worin der König mich von meinem Direktorat 
entband, mich zum General-Handels-Kommissarius ernannte, mit 
der Bestimmung, daß alle wichtigen Verfügungen in meinem Fache 
mir zur Beurtheilung mitgetheilt werden sollten und mir die Fort— 
dauer meines vollen Gehaltes zusicherte. Dieses Alles wurde in 
Paris verhandelt, wo sich damals nach der Schlacht von Belle— 
Alliance der König mit mehreren Ministern aufhielt. Wie viel 
Antheil meine Freunde, die Brüder von Humboldt und Herr vom 
Stein, welche sich mit in Paris befanden, daran genommen, weiß 
ich nicht: daß sie aber zu meinem Besten wesentlich thätig gewesen, 
beweiset der Erfolg. .... So wandte sich, was anfangs so böse 
schien, auch hier zum Guten für mich.“ 
Die vollständige Regelung des neuen Verhältnisses erfolgte erst 
im folgenden Winter durch zwei Kabinetsordres vom 7. Februar 
1816 an den Minister Graf Bülow und an Kunth. Letzterer wurde 
zum General-Handels- und Fabriken-Kommissarius ernannt mit der 
Bestimmung, „daß das General-Kommissariat künftig bei allen Be— 
rathungen über zu nehmende wichtige Maßregeln in dieser Partie 
zugezogen oder mit seinem Gutachten gehört werden soll.“ — „Ich 
habe“ — schreibt der König an Kunth — „die Ueberzeugung, daß 
Sie in dieser wichtigen Stellung Mein durch Ihre langjährigen 
Dienste bewährtes Zutrauen auch ferner rechtfertigen und zum Wohl 
des Handels und der Gewerbe, so wie in Ihren bisherigen Ver— 
hältnissen, wirksam beitragen werden.“ Im darauf folgenden Jahre 
wurden die Rang- und Titel-Verhältnisse der höheren Beamten neu 
geordnet. Kunths Amt ist in der neuen Rangordnung nicht genannt, 
nachträglich wurde bestimmt, daß er entsprechend seiner früheren 
Stellung als Ministerialdirektor zu den Räthen der ersten Rangklasse 
gehöre und den Titel: Wirklicher Geheimer Ober-Regierungs-Rath 
führen solle. Indessen hatte sich in den gewerblichen Kreisen der
	        
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