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Vorbemerkung

Full text: Der zweite Prozess Ahlwardt wegen Beleidigung des Magistrats und anderer Personen (Public Domain)

die Stadt bekommen würden. Dr. Hermes habe in Folge »nes Beschlusses 
der Freisinnigen Fraktion die anzustellenden Lehrer und Rektortic-Lor ihrer 
Anstellung einem politischen Eramen unterwerfen müssen und ihnen gewöhn— 
lich erklärt: wenn sie keine Beweise für ihre Thätigkeit für die Forfischritts— 
partei erbringen könnten, hätten sie keine Aussicht auf Anstellung oder Be— 
förderung. Um seine Darstellung von der Verjudung der Berliner 
Gemeindeverwaltung und dem schädlichen Einflusse der Juden in dieser Ver— 
waltung weiter zu illustriren, richtet der Angeklagte speziell gegen den 
Stadtrath Mamroth schwere Anschuldigungen. Er behauptet, daß derselbe 
seine Aemter in der Verwaltung der Dalldorfer Irrenanstalt und des 
Rummelsburger Waisenhauses dazu benutzt habe, um sich und seinen Freunden 
anlautere Vortheile zu verschaffen. Er beschuldigt denselben weiter, aus einer 
städtischen Kasse bedeutende Geldvorräthe entnommen und dafür Wechsel 
hinterlegt zu haben; auf Mamroth's Veranlafsung seien auch dem ver— 
storbenen, fallit gewordenen Bankier und Stadtverordneten Jakobs städtische 
Gelder gegen Wechsel gegeben worden ꝛc. 
Sies sind im Ällgemeinen die Hanptpuntte, mit welchen sich die Ver— 
handlung beschäftigen dürfte. Der Magistrat, und die von dem Angetlagten 
beleidigten einzelnen Personen behaupten, daß das Druckheft die Thatsachen 
willkürlich falsch darstellte, theilweise aber auch völlig unzutreffende Dinge be— 
haupte und von den schweren Anschuldigungen des Angceklagten keine einzige 
wahr sei. Der Beweisaufnahme wird es vorbehalten bleiben, hierüber Licht 
zu verbreiten 
J. 
——— 
Um 16. Februodo 
—2 . 
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Die Verhandlungen, welche im kleinen Schwurgerichtssaale stattfinden, 
erregen das lebhafteste Interesse des Publikums, welches schon lange vor Be— 
ginn der Sitzung den gesammten Vorraum vor dem Sizzungssaale füllt. 
Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Brausewetter, die Anklage vertritt 
Staatsanwalt v. Rheinbaben, die Vertheidigung führt Rechtsanwalt Dr. 
Schwind, den Magistrat vertritt Justizrath DBr. Horwitz als Rebenkläger, 
außerdem hat sich Dr. med. Freudenberg dem Verfahren als Nebenkläger 
angeschlossen. Der Vertreter desselben ist Stadtverordneter Stadthagen. — 
llnter den Zeugen befinden sich Stadtsunditus Eberty, Stadtkämmerer 
Maaß, Stadtschulinspekttoren Dr. Zwick und Dr. Jonas, Stadtverordneter 
Dr. Hermes, Stadwerordneter Pincussohn, der frühere Stadtverordnete 
Dopp. Der gleichfalls als Zeuge vorgeladene Stadtrath Mamroth, welcher 
in Italien weilt, ist nicht erschienen. Die Stadträthe Schreiner und 
Schäfer wohnen der Verhandlung bei. 
Der Angeklagte beantragt, auch den Justizrath Dr. Horwitz als 
Zeugen zu vernehmen, indem er behauptet, daß derselbe das Haupt der gegen 
ihmn inscecnirten Verfolgung sei und in der Schuldeputation den Beschluß ge— 
zeitigt habe, daß antisemitische Lehrer und Rektoren nicht mehr angestellt 
werden sollen. Der Angetlagte erklärt ferner, daß der Lehrer Holzmann, 
in alter Freund von ihm, bereit sei, den Klageantrag zurückzunehmen, wenn 
er zifentlich erkläre, daß es ihm leid thue, denselben beleidigt zu haben. 
Justizrath Horwitz bestreitet dem Lehrer das Recht, die Klage zurück— 
zunehmen. Es bedürfe dazu der Einwilligung der Stadt. Ferner bezweifelt 
ex die Möglichkeit, als Nebenfläger und als Jeuge zualeich auftreten 
zu können. 
Der Angeklagte erklärt aber, daß er auf das Zeugniß Horwitz' 
absolut nicht verzichten könne, da dieser Auskunft darüber geben solle, ob 
der geheime Beschluß der städtischen Schuldeputation, antisemitische Lehrer 
und Rektoren nicht anzustellen, dahin ausgedehnt worden ist, angestellte Rektoren 
abzusetken. Horwiß sei der Kopf der Verfolaung gegen ihm
	        
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