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Familienleben

Full text: Adolf Diesterweg / Böhme, Adolf (Public Domain)

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ist dies verderblich. Beruhige mich in dieser Beziehung! Leibes- 
übungen sind notwendig: Laufen, Schwimmen und Fechten. 
Bei Deiner Natur mußt Du gegen zu viele Bekanntschaften 
auf der Hut sein. Einsames, stilles Studieren ist nicht zu ent—⸗ 
behren. Doch Du kennst meine Grundsätze. Ich will Dich nicht 
bewegen, wünsche und gönne Dir fröhliche Entwickelung; aber strenge 
Sittlichkeit und reife Besonnenheit müssen den Jüngling wie den 
Mann regieren. In Bonn soll viel rüdes und liederliches Leben 
vorkommen. Du wirst das Schlechte nicht nachmachen. 
In Deinem Nächsten erwarte ich nun eine Nachweisung der 
Hauptausgabe, die Du gehabt hast — auf einem besonderen Blatte. 
Voran geht die Bemerkung, wie viel Geld Dich die Reise gekostet 
hat, mit wieviel Du dort hauszuhalten angefangen, und wie es jetzt 
ist. Alles übersichtlich geordnet! Ich habe Dir einen Jahreswechsel 
von 300 Thalern ausgesetzt, womit Du auszureichen sehen mußt. 
Vor nichts muß man sich mehr hüten als vor Schulden. Ich habe 
nie in meinem Leben einen einzigen Tag Schulden gehabt .. 
Endlich (für heute) teile mir genau Rechenschaft über die Vorlesun— 
gen mit, mit summarischer Angabe der Kapitel, und mit spezieller 
Andeutung des Neuen und Interessanten, und mit beigehenden 
wissenschaftlichen Bemerkungen von Deiner Seite. Was ich Dir 
noch weiter zu sagen habe, verschiebe ich bis morgen oder über— 
morgen. Dein 
treuer Vater. 
Dies mag genügen, Diesterwegs Wirken in der Familie zu 
zeichnen. Von seinen zehn Kindern verlor er drei durch den Tod, 
eins wenige Tage nach der Geburt. Ein lieber, achtjähriger Knabe, 
Adolf, hatte das Unglück, eine Tafel aus seinem zu Weihnachten 1835 
erhaltenen Farbenkasten zu verschlucken; sie hatte sich unter einem 
Stück Pfefferkuchen festgeklebt. Die Farbe enthielt stärkstes Gift! 
Der Knabe starb! Hatte ihn dieser Verlust aufs schmerzlichste ge— 
troffen, wie mußte ihn nicht noch mehr der Verlust seiner dritten 
Tochter 1858 erschüttern, als diese von dem sie längere Zeit heim— 
suchenden Nervenleiden sich selbst befreite. Die anderen vier Töchter 
wurden Gattinnen geachteter Männer. Der älteste Sohn Julius, 
Geheimer Sanitätsrat Dr. med., lebt in Wiesbaden, der zweite 
Sohn Karl, Dr. med. Sanitätsrat, lebt in Ebendorf bei Magde— 
burg, der dritte Sohn Moritz ist Inhaber einer Verlagsbuchhand⸗ 
sung in Frankfurt a / Main. 
Fast sämtliche Kinder fanden außerhalb Berlins ihren Wirkungs⸗ 
kreis; das gab dem Vater Anlaß, mit seiner Reiselust auch den Ge— 
nuß des Zusammenseins mit seinen Kindern und Enkelkindern zu 
gerbinden.
	        
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