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Gedenktage

Full text: Adolf Diesterweg / Böhme, Adolf (Public Domain)

tation und bald Landtags-Abgeordneter, und in beiden Eigenschaften 
wirkte er segensreic; für das Wohl der Schule bis zu seinem Heim— 
gange. Wenige Tage vor solchem war er wieder als Vertreter 
des dritten Berliner Wahlkreises in das Abgeordnetenhaus gewählt. 
Bei seinem 75. Geburtstage (1860) begrüßte ihn eine Abord— 
nung aus Lehrerkreisen. Ein Feind von zwängenden Förmlichkeiten, 
war es schwierig, sich ihm feierlich zu nahen. Dem zum „Sprecher““ 
Ernannten schnitt er auch hier die wohlvorbereitete Ansprache ab. 
Auch 1857 war es der Deputation ähnlich ergangen. Obwohl auf 
deren Erscheinen durch die Familie vorbereitet, kam er derselben 
selbst auf dem Korridor entgegen und drückte sein Erstaunen über 
den festlichen „Frack“ aus. Während der doch folgenden Einleitung 
zur Verlesung der Adresse zeigte er eine bedeutende äußere Unruhe. 
Diesterweg war Festen nicht abgeneigt, nur sollten sie sich nicht 
auf ihn beziehen und nicht ceremoniell vorbereitet sein. Uns aber 
war es ein Bedürfnis, wieder einen Markstein in seinem Leben zu 
suchen, der uns ein Recht gab, weil eine Pflicht auferlegte, ihm zu 
danken für das, was er für die Schule erkämpft hatte und daß er 
durch sein mutiges Beispiel viele Lehrer in ihrer Gesinnung gestählt, 
zur Selbsthilfe ——38 und gekräftigt hatte. 
Zu einem *Gen Tage ersahen wir seinen 75 Geburtstag, 
den 29. Oktobe Vorbereitet war eine Ovatior boereits von 
der „Allgemeinen deutschen Lehrerversammlung“ in Leipzig, zu 
Pfingsten 1865. Diesterweg hatte nur wenige dieser Versammlungen 
besucht, weil sie immer in Huldigungen seiner Person auszuarten 
drohten. Seine Abwesenheit in Leipzig konnte zur Sammlung 
einer Ehrengabe benutzt werden. Es wurde ein kostbarer Kranz 
aus 75 silbernen Eichenblättern gestiftet. Der unermüdliche Dr. 
A. Meier-Lübeck versendete durch ganz Deutschland und über seine 
Grenzen hinaus an Schulmänner Albumblätter. Gegen 1300 gingen, 
mit Denksprüchen versehen, ein und wurden in passende Einbände 
vereinigt. Aucdihervorragendsten Landtagsabgeordneten be— 
teiligten sich. 
Die Vorbereitungen zum 75. Geburtstage wurden in Berlin 
in aller Stille getroffen; denn Diesterweg kehrte erst nach der Mitte 
des Oktober von einem längeren Aufenthalte am Rhein und im 
Harz nach Berlin zurück. Seiner Familie war von unserem Vor— 
haben Mitteilung gemacht worden und von dieser auch ihm. Er 
erklärte den Seinen auf das bestimmteste, er wolle von einer Feier 
nichts wissen und beauftragte seine Familie, uns das wissen zu 
lassen. Alle Verhandlungen mit der Familie scheiterten an seinem 
Widerstande. Freund Senz und ich erhielten den Auftrag, per⸗ 
sönlich mit Diesterweg zu verhandeln. Bitten wollten nicht fruchten; 
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