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Diesterweg mißliebig

Full text: Adolf Diesterweg / Böhme, Adolf (Public Domain)

1836 ab sein „Schulblatt für die Provinz Brandenburg“ jährlich in 
b Heften erscheinen. das als halboffizielles — wegen der darin 
aufgenommenen amtlichen Verfugungen — angesehen und gehalten 
wurde. Die von O. Schulz (er starb 1849) verfaßten Artikel 
haben auch heut noch nicht ihren Wert verloren — und auf Diester— 
wegs Auffätze in den „Rheinischen Blättern“ wird ebenfalls heut 
noch gern zurückgegangen. 
Also die pädagogische Schriftstellerei Diesterwegs verschnupfte 
wohl weniger nach Oben; vielmehr, daß er sich auf das Glatteis 
des sozialen Gebietes begab. Schon 1833 verfaßte er die erste 
seiner „Lebensfragen der Civilisation.“ Er sagt darüber selbst: 
„Das nicht bloß anderwärts, sondern auch in Berlin wahrgenommene 
Elend der unteren Klassen, in physischer, ökonomischer und sozialer 
Beziehung, führte mir die Feder. Als die Abhandlung fertig war, 
fühlte ich daß ich damit Anstoß erregen könnte .5ich verschloß 
das Papier in das Pult. Als sich aber die sogenannte „Schneider—- 
Revolution“ am 3. August 1835 in Berlin ereignete, trieb es mich 
wieder zum Schreiben. Ich verfaßte den Aufsatz: „Werden wir 
vom 3. August nichts lernen?“ und ließ diesen mit jener Abhandlung 
im Jahre 1835 bei Bädecker in Essen erscheinen.“ 
In jenen beiden Schriften spricht Diesterweg von der Not— 
wendigkeit der Erziehung der unteren Klassen, in denen intellektuelle 
und moralische Roheit wuchern. Als eine Radikalkur zur Be— 
seitigung gilt ihm Erziehung und Besserung ihrer äußeren Lage. 
„Beide Schriften“ sagt Diesterweg, „zogen mir von meinen Vor—⸗ 
gesetzten manche bittere Bemerkungen zu.“ Nun, bei seinem leb— 
haften Temperamente mag ja manches kräftige Wort gefallen sein, 
und auch an manchen Seitenhieben mag es nicht gefehlt haben. 
Er wollie für die geistige üttliche und äußere Besserstellung wirken. 
Dieser Gedanke verließ nie, und als sich später der 
„Verein für das Wohl der arbeitenden Klasse gründete, zu 
welchem der damals noch so junge Lehrer, Jugend- und Volks- 
schriftsteller, der am 28. Juli d. J. verstorbene Ferdinand Schmidt, 
die erste Anregung gegeben hatte, beanspruchte auch dieser Verein 
Diesterwegs Kräfte in hervorragendem Maße. Diesterweg wurde 
nach Oben unbequem. Nach anderen Seiten verschnupfte seine 
Schrift: „Uber das Verderben auf den deutschen Universitäten“. 
In pädagogischen Kreisen waren ihm auch Gegner entstanden, so 
J B. durch sein Verwerfen der in Dänemark aufgekommenen 
wechselseitigen Schuleinrichtung“, in welcher der Unterricht zu einer 
Dresfur herabgewürdigt wurde, um ihn möglichst billig zu gestalten. 
In die Notwendigkeit versetzt, sich seiner Haut zu wehren, mag die 
Form seines Kämpfens auch manchmal verwundet haben.
	        
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