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Diesterweg mißliebig

Volltext: Adolf Diesterweg / Böhme, Adolf (Public Domain)

vom Schulrat O. Schulz auf den Provinzial-Schulrat Lange 
überging. 
Auch in anderen Kreisen hatte Diesterweg seine Widersacher 
und zwar schon aus der Zeit der Übersiedelung nach Berlin. In 
seinen 1832 in Krefeld erschienenen Schulreden und pädagogischen 
Abhandlungen wollte man irreligiöse Anschauungen vertreten sehen. 
Auch das Ministerium war — von welcher Seite? das konnte 
Diesterweg nicht erfahren — darauf aufmerksam gemacht worden. 
Es forderte Bericht vom Schulkollegium. Das hatte zur Folge, 
„daß das Ministerium ihm einschärfte, religiöse Streitfragen nicht 
vor die Seminaristen zu bringen und alle Einseitigkeiten in religiöser 
Beziehung zu vermeiden.“ Diesen Erinnerungen fügte das Schul— 
kollegium die Mahnung bei, „über kirchliche Verhältnisse und Gegen— 
stände des religiösen Glaubens keine Ansichten auszusprechen, welche 
Anstoß und Besorgnis erregen oder einer ungünstigen Stimmung 
über das Seminar Nahrung ageben könnten. Ich nahm dieses hin, 
da ich den Religineen— nicht zu erteilen hatte nud mir nicht 
bhewußt war, dieß durch meine praktische Thätigkeit ver⸗ 
anlaßt zu haben. 
Daß Diesterweg solche Warnung sich hinter das Ohr schrieb, 
dafür zeugt woh: sein Zurückhalten von jeder Beteiligung an Zu— 
sttimmungs- und Gegenerklärungen, welche in der Mitte der vier— 
ziger Jahre aus den gebildeten Kreisen ergingen, als das Auftreten 
des Deutschkatholiken Ronge und Genossen und das der sogenannten 
Lichtfreunde Uhlich. Wislicenus, König, Sintenis ꝛc. die Gemüter 
„Für und Wider“ aufregten. Auch Mittelparteien suchten durch 
öffentliche Erklärungen zu vermitteln und zu versöhnen. An der 
Spitze einer solchen stand Bormann. Sein gut gemeintes Wort: 
„Was hadert ihr denn!“ war ein geflügeltes geworden. Diester— 
weg hielt sich fern und entging derjenigen Verwarnung, welche 
das Ministerium verfügte und über deren Empfang die Lehrer quit— 
tieren mußten, welche die liberalen Erklärungen unterschrieben hatten. 
Der Magistrat hatte sich mehrmals geweigert, die Verwarnungen 
auszuführen; aber er mußte der Form genügen. 
Daß Diesterweg viel schriftstellerte, wurde in den ihm vor— 
gesetzten Kreisen nicht günstig aufgenommen. Gewiß war damit 
nicht die pädagogische Schriftstellerei gemeint; denn auch der Schulrat 
O. Schulz gab lateinische und deutsche, namentlich Lesebücher heraus, 
die zum Teil viel weitere Verbreitung fanden, als Diesterwegs Lehr⸗ 
und Schulbücher, und es war nicht allein seinem amtlichen Einflusse 
die weite Verbreitung zuzuschreiben, sondern auch der Güte 
der Bücher. Wie Diesterweg 1827 seine „Rheinischen Blätter für 
Erziehung und Unterricht“ begonnen hatte, so ließ O. Schulz von
	        
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