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Full text: Wilhelm Stolze / Mellien, Marie (Public Domain)

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Stolzes Lebzeiten ihr Wesen trieb und sich nach des Meisters Tode 
noch viel üppiger entfalten sollte.*) 
Hätte man damals Stolzes Vorschlag beherzigt und von oben 
herab ihm und seiner Lehre die helfende Hand gereicht, so erfreuten wir 
uns heute sicherlich der stenographischen Einheit Preußens, vielleicht ganz 
Norddeutschlands, und einer viel ausgebreiteteren Kenntnis der Kurzschrift 
in allen Kreisen. Sehr wahrscheinlich wäre dann auch Stolzes inniger 
Wunsch längst erfüllt, die Stenographie als pflichtigen Gegenstand auf 
dem Lehrplan jeder höheren Schule prangen zu sehen. 
Es war nach dieser neuen Enttäuschung für Stolze erfreulich und 
tröstend, daß bald darauf der Stadtschulrat Schulze als Vertreter der 
städtischen Schuldeputation ihm den Auftrag erteilte, an mehreren städti— 
schen Schulen stenographische Unterrichtskurse abzuhalten. Aber es war 
doch nur ein schwacher Ersatz für die versagte Gründung einer großen 
staatlichen Anstalt, an welcher seine Methode gelehrt, wo sie amtlich ge— 
schützt und gefördert worden wäre. 
Inzwischen beschränkte sich die Kenntnis dieser Methode schon längst 
nicht mehr auf Berlin allein; schon Anfang der fünfziger Jahre finden 
wir Schüler und Anhänger der Stolzeschen Kurzschrift in allen preußi— 
schen Provinzen, von der Memel bis an den Rhein! Unter den bedeuten den 
Provinzialstädten, welche eifrig die Kunst pflegten, treten besonders Mag de— 
burg, wo der Intendantursekretär Lamlé und der Lehrer Martini für 
Stolzes Sache wirkten, Danzig und Breslau hervor; an den beiden 
ersteren Orten wurde die Stolzesche Stenographie in den öffentlichen 
Schulen gelehrt. Sowohl hier wie in vielen anderen großen und kleinen 
Städten entstanden stenographische Vereine, die in ihrer Organisation sich 
meist eng an den Berliner Verein anschlossen, zuweilen auch als „Zweig⸗ 
vereine“ in noch innigere Verbindung mit ihm traten. Und das Interesse 
für die Kurzschrift Stolzes blieb nicht an den Grenzen des größten 
norddeutschen Staates stehen; auch in Süddeutschland, vor allem in der 
Schweiz regte sich bald ein frisches stenographisches Leben, und Hunderte 
von begeisterten tüchtigen und strebsamen Jüngern, an deren Spitze 
*t) Im Jahre 1898 giebt es in unserem Vaterlande allein fünfzehn steno— 
graphische Systeme, die durch Zeitschriften vertreten sind; die Zahl der Systeme über— 
haupt ist Legion.
	        
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