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Full text: Wilhelm Stolze / Mellien, Marie (Public Domain)

Schusterlehrling aus der Werkstatt — und auf das Joachimsthaler Gym— 
nasium (damals in der Burgstraße) zu senden, ein Entschluß, der ihm 
sicherlich recht schwer fiel. 
Dies geschah im Jahre 1808, als Wilhelm gerade zehn Jahre alt 
war. Er ist bis 1817 ein Schüler dieser trefflichen Anstalt, die damals 
ihren hohen Ruf besonders in den philologischen Fächern ehrenvoll be— 
hauptete, geblieben, und verdankt ihr seine gediegene, ernste Bildung — in 
den klassischen Sprachen zumal — und die strenge Schulung des Geistes, 
die ihn später ausgezeichnet haben. 
Aus Stolzes Schulzeit liegen uns erfreulicherweise einige Urkunden 
über seine geistige und sittliche Entwickelung vor, die Schulzeugnisse des 
Knaben vom Juli 1809 bis zum 30. März 1815. Gleich die erste 
Censur (Sexta, Cötus 1) vom 14. Juli 1809 rühmt von Wilhelm, „er 
gehöre zu den fleißigsten und ordentlichsten Schülern der Klasse“ (Urteile 
in einzelnen Fächern, wie jetzt üblich, wurden damals nicht abgegeben), 
spricht aber zugleich Bedauern darüber aus, daß „Kränklichkeit und häus— 
liche Verhältnisse ihn hindern, die Schule regelmäßig zu besuchen.“ Diese 
Worte der Anerkennung und Klage kehren fortan regelmäßig bei jedem 
Quartalschluß wieder — die ganze Schulzeit hindurch — und sie enthalten 
in dieser lakonischen Fassung ein ganzes Stück Lebensgeschichte! Sie zeigen 
uns den jungen Stolze als zarten Knaben schon im Kampfe mit Not 
und Krankheit, aus dem er, treu und gewissenhaft nach dem vorgesteckten 
Ziele ringend, siegreich, aber nicht ohne Wunden, hervorgeht. Und das ist 
vorbildlich für sein ganzes künftiges Leben! Voll Energie, Hingebung, 
pflichttreue, begeistert für ein hohes Ideal, war Stolze fortdauernd durch 
ein widriges Geschick gezwungen, einen Teil seiner besten Kräfte im Kampf 
mit häuslichem Jammer und körperlichen Leiden aufzubrauchen. 
Unter Stolzes Censur vom Oktober 1809 (die ihn geradezu „den 
vorzüglichsten Schülc der Klasse“ nennt, aber wieder darüber klagt, daß 
er zu oft di. Schulc versäume und — ein wenig unlogisch und sehr 
schulmeisterlich den Verdacht ausspricht, es geschehe dies vielleicht nicht 
bloß der Kränklichkeit. sondern der Trägheit des Schülers wegen) schreibt 
der wackere Meister Stolze in zierlicher, korrekter Schrift: „Ich habe 
mit vielem Vergnügen das Zeugnis meines Sohnes gelesen, aber auch 
darin bemerkt, daß Sie ihm seinen unordentlichen Klassenbesuch einem ge— 
wissen Hange zur Bequemlichkeit zurechneten. Ich bitte Sie daher, ver—
	        
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