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Brautstand und Hochzeit. Oktober 1835 bis April 1836

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

Sängerburg, Luthers Burg, 
Predigst eine große Lehre, 
Feste Burg und gute Wehre 
Ist hier unser Gott genaunt; 
Gottes Wort, die ew'ge Wahrheit, 
Hast Du mit der Glut der Klarheit 
In die Welt hinaus gesandt 
Sängerburg, Luthers Burg, 
Wo sich Lieb' und Gottvertrauen 
Treu vereint ein Haus erbauen, 
Bau'n sie eine Burg wie dich; 
Wie in deinen starken Mauern 
Sollen beide in uns dauern — 
Gott verleih' es — ewiglich. 
Adolf an Ferdinande. 
Berlin, 25. Oktober 1835. 
Ich soll Dir vor allem schreiben, ob es denn eigentlich wahr 
sei, daß ich Dich liebe, es sei wohl ein Wunder. Jene Frage klingt 
mir fast ebenso, als o. Da fragtest, ob es denn eigentlich wahr sei, 
daß ich lebe. Diese- Geheimnis ist jenem gleich. 
Meine Seele hört nicht auf, sich Deiner zu freuen. Jahrelang 
habe ich mich an Deinem Bilde gefreut. M. Saling kann dies aller— 
dings wissen, denn ich erinnere mich wohl, wie ich vor einem Jahre 
mit ihr von Dir sprach. Aber das gebe ich nie zu, daß sie diese 
Freude eine unglückliche Neigung nenne. Soll es heißen, daß die 
Erfüllung mich über alles glücklich gemacht hat, und daß dagegen die 
Nicht-Erfüllung wie eine unglückliche de erscheint: so hat der Aus— 
druck ein Recht in sich. Aber auch nur so. Sonst würde ich, wenn 
der Himmel es anders beschlossen hätte, es doch immer für ein Glück 
geachtet haben, daß ich Dein Bild tiefer erkannt und so lange mit 
Liebe in der Seele getragen. Immer, immer hätte mich das erfreut. 
Und hätte ich wenige Tage nach Minnas Hochzeit nach Salzburg 
ziehen müssen, um dort an den großen Bergen, wie einst Petrarca 
m stillen Thale von Vaucluse that, die verklingende Sehnsucht wieder— 
tönen zu lassen: ich hätte dennoch eine Freude an Deinem Bilde ge— 
habt und eine unglückliche Neigung würde ich es nie genannt haben. 
Des sei gewiß, Du mein Glück!
	        
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