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Aus Ferdinandens Briefen an ihren Bruder Ferdinand 1831-1834 und die Verlobung

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

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Genauigkeit; nur sind seine Finger noch gar zu spitz und dünn und 
knicken daher leicht ein. 
Am Sonntag haben wir Deine Gesundheit getrunken und zwar in 
Punsch, der uns bis abends 12 Uhr zusammen auf gehalten hat. Darauf 
zing der Vater noch auf sein Stübchen und arbeitete in der Meinung, 
es sei gegen 10 Uhr; so vergeht ihm die Zeit, wenn Dr. Trendelen— 
hurg da ist. Wenn Du nur irgend Sympathie mit dem Vater hast, so 
wird Dr. Trendelenburg Dir auch sehr lieb, wenn er es noch nicht ist. 
Wir haben mit Pansch den Vicar of Wabeéfield gelesen und 
sind jetzt am King Lear. Auch hat uns Schillers Leben, geschrieben 
von Frau v. Wolzogen, sehr entzückt. 
Den 29. März 1831. 
Mein liebster bester Ferdinand! 
Eigentlich haben wir Mädchen recht lange nichts Geschricbenes 
von Dir bekommen, so daß Sophie auch diesmal schweigen will, bis 
sie etwas direkt von Dir gehört hat. Ich kann's aber doch nicht 
übers Herz bringen, von Dr. Trendelenburgs freundlichem Anerbieten 
teinen Gebrauch zu machen; denn so ungern oder wemnigstens pflicht— 
zemäß ich sonst überhaupt schrieb, so verlangt es mich jetzt immer zu 
schreiben — nämlich an Dich. Denn es überfällt mich oft eine Angst, 
daß alles, was wir schätzen und lieben, von uns gerissen wird — 
und so weit — so weit; und man fühlt das Unersetzliche erst recht 
dei dem Verluste. So möchte ich Dich nun in dem großen, schönen 
Berlin, in all dem Thun und Treiben immer ein wenig halten und 
hbinden und erinnern, daß wir zusammen bleiben, wenn es auch nicht 
deisammen gehen kann, wie Goethe so hübsch unterscheidet. — Wenn 
Du nun nicht gar zu viel Anderes zu denken hast, so denke auch bei 
den Schnupftüchern ein wenig an uns. Wir haben niemand einen 
Stich daran gegönnt, und wenn unsere Gedanken und Gespräche beim 
Nähen alle darin geblieben wären, so könnten sie Dir wohl erzählen. 
Hättest Du nun geistreiche Schwestern wie Dr. Trendelenburg, so be— 
kämst Du auch gleich ein Gedicht dazu. Er hat uns einmal ein sehr 
hübsches gezeigt, welches er mit Strümpfen bekommen hatte. So 
nußt Du nun vorlieb nehmen. 
Du schreibst, Du habest zu der Mutter Geburtstag schreiben 
wollen — das hat mich recht gefreut. Denn wir haben recht viel 
in Euch gedacht, und obgleich die Mutter immer meint, Du seist zu
	        
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