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Gesammeltes aus Briefen der Großmutter Ferdinande

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

Dir und mir hat bei der Führung der ersten Geige, die der 
Hausfrau immer zufalcit muß, eswas wesen?“ich geholfen: die kräftige 
Baßgeige, die Takt 4 Den en, Len angiebt und festhält. Je 
weiter der Spielraum, desn allen Dingen das rechte 
Maß und der rechte VBue 
* 
D diese Unruhe in der Weihnachtszeit! dies Hin und Her! 
Bedarf es denn so viel Schickens, wo ein glücklicher Hausstand, Mann, 
Frau und Kinder, das Weihnachtsfest begehen wollen? Die Gedanken 
ind die Liebe bleiben doch immer zoll- und postfrei: man sollte ein— 
facher sein und sich genügen lassen. Singet und spielet dem Herrn! 
— Freuect euch! — Lasset eure Lindigkeit kund werden! Es ist wohl 
hart, eine so alte Großmutter zu sein und den lieben Enkelchen nicht 
selbst bescheren oder schicken zu können, aber es geht nicht mehr, und 
ich bescheide mich, habe auch in der Ferne Frende mit all meinen 
Lieben an allem, was Christkindchen anstiftet. 
Ich weiß, daß Ihr treu an mich denkt, und daß Du bei allem 
bunten Kram im Leben gesund bist und Deine Ideale alter und neuer 
Zeit je nach Bedarf lebendig zu erhalten und neu einzükleiden verstehst. 
Das ist eine gute Gabe Gottes und, wie mir scheint, recht zum Wesen 
einer dentschen Frau gehörig. Bei Dir ist's vielleicht ein Erbteil 
Deiner Großmutter Becker, die uns Kindern wohl vorhielt (und in 
der That auch ausübte, daß man auch mit Freude und Begeisterung 
Kartoffeln schälen und Strümpfe stopfen könne. Ihre Frankfurter 
reichen Freundinnen hielten meiner Mutter vor, sie treibe in ihrem 
Kinderkreise „Luxus an Liebe“ (obwohl wir nie gehätschelt wurden). 
Meine Mutter hat sich in ihrer Weise nie irre machen lassen, und ich 
glaube nicht, daß dieser Luxus geschadet hat. Ihr Kinder — die 
Enkel — führt dies Geschäft fort, und es wird schon weiter gedeihen. 
Bei Dir ist vielleicht zu befürchten, daß sich ein gewisser geistiger 
Luxus einschleicht, der eher schädlich werden künnte. Laß Dich nicht 
berleiten, die Kinder in geistiger Hinsicht zu verwöhnen. Zur rechten 
Gesundheit der Seele gehört auch ein gut Teil Prosa als trockenes
	        
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