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Gesammeltes aus Briefen der Großmutter Ferdinande

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

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freundliche, fröhliche Bilder finden und das Beste hoffen dürfen — 
überall Gesundheit, Frieden und Freude — und warme, empfängliche 
Weihnachtsherzen! Könnte ich in all Eure Häuser einkehren und die 
lieben, frohen Gesichter alle in Wirklichkeit sehen — wie sich das 
Mutterherz wünschen möchte — es wäre wohl zu viel für eine Seele. 
Um die Sammlung, die Du bei einem guten Buche findest, 
könnte ich Dich fast beneiden, lieber aber möchte ich sie mit Dir teilen. 
Alles was Du liesest, möchte ich wenigstens im Gedanken an Euch 
auch lesen. In den „Wanderjahren“, die ich im vorletzten Jahr ge— 
lesen, fand ich viel sehr Ansprechendes, Verwandtes — ob durch meine 
Eltern oder durch Euren Vater, das weiß ich selbst nicht. Es mag 
aus gemeinsamen Quellen geschöpft sein oder hauptsächlich aus der 
schönen, immer sprudelnden Quelle echt menschlichen Denkens und 
Suchens im Leben und der Erfahrung, die auch uns Frauen zugäng— 
lich ist, während wir den philosophisch gelehrten besser nicht allzu sehr 
nachgraben. Jetzt, da Du den Gedanken des Lebens in der Gegen— 
wart erwähnst, kam es mir in Gedanken, daß das ganz meines Va— 
ters Weise war — vielleicht zu sehr. Als ich mir einmal Mut faßte, 
ihn selbst nach Erlebnissen aus seiner frühen Jugendzeit zu fragen, war 
nir die Antwort, das Eingehen viel zu kurz; doch waren für ihn 
gewiß keine Eindrücke verloren, wenn sie auch nicht in das Gedächtnis 
traten. Es mag wohl mit dem Erlebten auch gehen, wie mit dem 
Wort: „Es soll nicht bei uns oder in uns bleiben“, etwa wie eine 
schön getrocknete Pflanze, sondern es soll in uns neues Leben werden 
und Früchte bringen. 
Die Goetheschen Briefe, die Du mir sandtest“*), sind mir zum 
Teil schon bekannt, z. B. die Briefe an Kraft. Der Name war mir 
fremd, aber Goethes Verhältnis zu ihm und sein liebevolles Sorgen 
für den armen Menschen kannte ich aus einem Buch von Vogt (einem 
Amtsgerffen von Goethe) und es hatte mein Herz ganz besonders 
warn dem alten Goethe hingezogen, an dem in seinen letzten 
) 
Jugendbriefe Goethes herausgegeben von Dr. W. Fielitz.
	        
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