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1872-1883

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

ihren schönen lieben Augen ihre lebendige Seele so deutlich reden läßt 
und auch ein Wörtchen nach dem andern dazu findet, so ist mir's 
'mmer wie ein Wunder, wie das alles so schnell hat werden können 
ind wie rasch sie sich jetzt vor meinen Augen entwickelt. 
Jetzt umfaßt und begreift das Leben mit dem Kinde ja auch 
wieder alles in sich. Die alten Zeiten, Mariens frühe Kindheit sehe 
ich wieder vor mir und die alten Wahrheiten bestätigen sich wieder, 
die Wahrheiten, die einem in aller Angst und Unruhe der Welt, bei 
allem Kampf ringsumher den stillen Frieden finden lassen. 
Im März 1874 wurde Friedrich zum dirigierenden Arzt der chirur— 
gischen Station im neu erbauten städtischen Krankenhause im Friedrichs⸗ 
zain in Berlin ernannt. 
Ferdinande an Charlotte Fabricius. 
Den 11. März 1874. 
n liebes Lottchen! 
Mein Her? treibt mich, die Freude mit Dir zu teilen, die gewiß 
ber Telegramm schon zu Dir gelangt ist. Ich muß mich bei Dir 
darüber trösten, daß ich meinen guten Friedrich heut nicht mehr sehen 
werde. Ich hatte erfahren, daß die Wahl heut sein werde, und er— 
wartete Friedrich mit Ungeduld — da kam um 4 Uhr folgendes Stadt- 
Telegramm: „Familie Ruge gratuliert bestens zum frohen Ereignis 
der Ernennung Ihres Sohnes.“ Ich war ganz allein zu Hause und 
konnte mich schwer fassen vor Freude und Rührung über diese freund⸗ 
iche Teilnahme. Friedrich durfte ich, da er du jour ist, nicht mehr 
erwarten; so flog ich denn, so gut die alten Glieder mich tragen wollten, 
zu Adlers und Roths und freute mich einstweilen mit ihnen. Nun 
komme ich zu Dir, mein Herzenskind, das nun hoffentlich bald wirk— 
lich unser wird, 15nöt Dich herzen und küssen. 
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Am 21. Mai fand in Straßburg Friedrichs und Lottchens Hochzeit 
statt, die Mutter und Schwestern mitfeierten und nun folate die Zeit, 
von der Fecdinande schreibt: 
„A Cecbnisse drängen sich fast zu sehr für ein altes Mutter⸗ 
herz, immer Reues, ehe das Alte zum San.iurd gekommen ist; 
und wer nun wie ich die schlechte Gewohnheit hat immer innerlich 
mitzusingen und mitzuleben, der hat wirklich mit den lieben Sieben 
seine liebe Not, die mir der liebe Gott erhalten wolle!!!“
	        
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