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1872-1883

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

187221883. 
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Vn der Erinnerung an die dunkelen Winter- und traurigen Früh— 
lingstage des Jahres 1872 erglänzen lichte Somnenblicke; es sind die 
immer vertrauter werdenden Beziehungen zu Lottchen Fabricius. Seit 
kurzem war Geh. Rat Fabricius in Darmstadt, als Theodor Beckers Freund 
mit den Seinen dem Trendelenburgischen Hause warm empfohlen, von Han— 
nover nach Berlin übergesiedelt. Lottchen war 19 Jahre alt und schloß 
sich aa Nanna an. In den traurigsten Tagen bewährte sie ihre Freundschaft 
— wie manchen Abend trat sie, den weiten Weg in der fremden Stadt 
nicht scheuend, noch geschwind in die Thür, um nach den Betrübten zu sehen. 
Friedrich hatte im Scherz schon öfters seine jüngste Schwester be— 
auftragt, eine Liste zu führen von den Töchtern des Landes, unter denen 
er dann später einmal seine Zukünftige erwählen wollte. Als nun im 
Herbst 1871 Lottchen Fabricius zum erstenmal mit ihren Eltern im Tren— 
delenburgischen Haus war, führte Friedrich sie zu Tisch und rief beim 
Schluß des Abendessens lustig seiner Schwester über den Tisch zu: „Die 
Liste ist geschlossen“ . Aus dem Scherz ward Ernst, und als Lottchens 
Vater als Zolldirektor nach Straßburg berufen wurde und seine Fa— 
milie im Juni 1872 dorthin übersiedelte, blieb ein von ihrer Großmutter 
ererbter goldner Ring, den Lottchen bisher trug, in Berlin zurück und 
hing an Friedrichs Uhrkette. Die bevorstehende Trennung hatte die Ent— 
cheidung schnell herbeigeführt, doch war es einstweilen ein stilles Ver— 
öbnis; Friedrich erkrankte gerade damals schwer an Ty sphus recurrens 
und lag mehrere Wochen in der chirurgischen Klinik, wo er Assistent war. 
Die Mutter durchlebte von neuem eine schwere Sorgenzeit; die Erinne— 
rung an ihres Bruders Ferdinand im gleichen Alter früh hingerafftes 
Leben drängte sich unwillkürlich mit hinein in die augenblickliche Sorge. 
Sobald Friedrich die Reise bestehen kounte, begleiteten ihn Mutter und 
Schwestern nach Gelnhausen, wo er in der Villa Schöffer-Becker die 
iebevollste Pflege genoß und bald die volle Gesundheit wiedererlangte. 
Im April 1873 wurde Friedrichs Verlobung mit Charlotte Fabricius 
heröffentlicht. 
Ferdinande an Minna Pansch. 
Den 14. Februar 1872. 
Das ganze Leben, besonders das der letzten sechsunddreißig Jahre, 
zieht immer wieder an mir vorüber mit seinem Thun und Lassen, seinen
	        
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