Path:
1870 bis zu Adolf Trendelenburgs Tod. 24. Januar 1872

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

sich wohl meist aus arbeitslosen und verzweifelten Bauern und Arbeitern 
rekrutieren. Natürlich können sie in offenem Kampfe gegen unsere 
Truppen nichts ausrichten. Auf dem letzten Marsche hatte ich ein 
kleines Malheur. Die Chaussee war an einer schattigen Stelle gegen 
Mittag wider Erwarten noch etwas überreift und sehr glatt. Kladde— 
radatsch! lag meine Rosinante am Boden und ich verstauchte mir bei 
der Gelegenheit den Fuß“). Ich wollte erst zu Wagen weiter mit— 
marschieren, aber hielt es schließlich doch für besser, die Sache erst 
ordentlich auszukurieren und bin also hierher nach Joinville gefahren, 
wo ich von den katholischen Surs im Hopital zwar nicht „mit offenen 
Armen“, aber sehr liebenswürdig aufgenommen bin und mich seit gestern 
in einem schönen Zimmer von allen Heldenthaten des Feldzugs ausruhe. 
Es liegen hier eine ganze Menge Preußen und ein biederer Schul— 
meister aus Heinrichsdorf in Pommern macht mir mit rührender Prä— 
zision kalte Umschläge. Wenn es zu machen geht, fahre ich in den 
nüchsten Tagen nach Nanch per Bahn über St. Dizier; daselbst finde 
ich unter den Ärzten wahrscheinlich Bekannte, und ist dann in vierzehn 
Tagen die Geschichte nicht ganz in Ordnung, so komme ich „bei 
Muttern“. Mit meinem Chef habe ich das auch schon so ausgemacht. 
Zu ängstigen braucht Ihr Euch auf keinen Fall. Ich liege hier so 
gut, wie in einem preußischen Lazarettprivatzimmer und meine sGurs, 
sowohl die jungen wie auch die ältlichen und alten, nehmen sich des 
pauvre garçon sehr freundlich an. Aber natürlich ist es langweilig, 
besonders das mir gegenüberhängende Bild eines Heiligen, der eine 
Nase wie Herr C. hat. Grüße alle zu Hause, liebe Nante, sage Mutter 
und Vater, wenn sie sich ängstigen wollten, käme ich „nu grade nicht“, 
und sei embrassée de tout mon cœur. 
Also vielleicht auf Wiedersehen in vierzehn Tagen. 
Dein Friedrich. 
Adolf Trendelenburg an Friedrich. 
Berlin, den 19. November 1870. 
Herzlichen Gruß, lieber Fricedrich, in der Geduldsprobe, die Du 
zu bestehen hast. Dein Unfall thut mir sehr leid, aber ich habe nach 
den Nachrichten, die Du giebst, zu keiner eigentlichen Besorgnis Grund. 
Am meisten ist mir leid, daß Du nun so lange Deine Pflichten nicht 
5) Es handelte sich um einen Bruch der Knöchel und Verletzung der Kniescheibe.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.