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1870 bis zu Adolf Trendelenburgs Tod. 24. Januar 1872

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

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anderen Staaten, die ja alle mit betroffen werden von dem unseligen 
Kriege, und hat noch keinen festen Beschluß zur Abreise gefaßt, doch 
kann ihn die nächste Zeitung schnell herbeiführen. — Vater fühlt sich 
trotz der Erregung der letzten Tage wohl, schläft gut, und seine ruhige, 
klar umsichtige Auffassung der Begebenheiten und Zustände, die allen, 
die ihm hier nahe kommen, wohlthätig ist, giebt das beste Zeugnis 
innerer Kraft und Gesundheit. Solche Tage bringen die Menschen 
schnell einander näher. — Es war ein so schöner friedlicher Abend; 
die Herren erwähnten wohl auch Politisches, aber der Prinz hatte auf 
die spanische Krone verzichtet; damit schien alles beendet. Die fran— 
zösische Anmaßung war verdrießlich, aber noch mehr lächerlich, und 
man freute sich unseres geraden, ehrenhaften Königs, der in eigner 
Person schlicht und wahr, wie seine Weise und wie es seiner würdig 
ist, seinen Weg gegangen und bei seinem Wort beharrt. Das sind 
noch nicht drei Tage; was haben wir seitdem erfahren und was ist 
so vielen Tausenden — Millionen — seitdem durch die Seele ge— 
gangen! Der liebe Gott, der solch empörendes Verfahren zuläßt, wird 
es auch zu lenken wissen und endlich zum Heil unseres Vaterlandes 
wenden, wenn die Liebe zu Ihm lebendig festgehalten wird. So können 
wir einzelnen ja auch nichts Besseres thun, als nach dieser Festigkeit 
zu streben und geduldig zu tragen, was jedem auferlegt wird. 
Engelberg, den 18. Juli 1870 
Wir denken morgen aufzubrechen und über Zürich, Lindau, Nürn— 
berg nach Eisenach zu reisen, wo wir wohl zunächst bleiben. Es ging 
Vater hier so gut, wir wären gern geblieben. Aber wir sind zu fern 
von der Heimat und könnten abgeschnitten werden. Nach Berlin zu 
gehen wäre jetzt für Vater nicht an der Zeit — das sieht er selbst 
ein. Vater ist gottlob wohl und faßt die Dinge so klar und ruhig 
auf, so kräftig, wie wir es immer an ihm gewohnt waren. Das dürfen 
wir wohl als ein gutes Zeugnis für seine Gesundheit nehmen, und 
dafür bin ich sehr dankbar. 
Nürnberg, den 22. Juli 1870. 
Unsere Reise ist bisher glücklich von statten gegangen, und neben 
den sorgenden Gedanken fehlt es nicht an echebenden Eindrücken, die 
Glauben, Mut und Vertrauen stärken. „Ihr gedachtet es böse zu 
machen, Gott aber gedachte es gut zu machen.“ Das fühlt man schon
	        
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