Path:
1861-1870

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

Adolf Trendelenburg an denselben. 
Saßnitz, den 22. August 1866. 
Zu meinem Bedauern sehe ich aus Deinem letzten Brief, daß 
die Luft in dem Lazarett zu Görlitz schlechter wird und Typhusfälle 
vorgekommen sind*). Was geschieht dagegen? Eine Verlegung der 
Kranken unter Zelte? Möge es Dir unter den Gefahren, unter wel— 
chen Du Deine Pflicht erfüllst, glücklich ergehen! Vorsicht und Mut 
müssen sich in dem Arzt verbinden, und ich wünsche herzlich, daß es 
Dir gelinge, beide zu vereinigen; Du wirst uns beruhigen, wenn Du 
einmal öfter, sei es auch mit wenigen Worten, uns von Deinem Thun 
und Ergehen Nachricht giebst. Es ist uns sehr leid, daß Dein ope— 
rierter Kranker, den Du pflegtest und in der Pflege lieb gewannest, 
doch den Folgen der gefährlichen Operation wird erlegen sein. Du 
wirst Ähnliches oft erfahren müssen, aber laß nicht ab, Dein Herz 
an Deine Kranken zu hängen, denn es ist nicht einerlei, wie und mit 
welchem Gemüt der Arzt Hilfe bringt. 
Saßnitz, den Li. September 1866. 
Es wäre mir lieb, wenn Du zu einem Ausflug ins schlesische 
Gebirge Zeit gewännst, vorausgesetzt, daß Du darüber nicht Wesent— 
liches in Deiner ärztlichen Pflicht versäumtest. Freilich darf der Herbst 
nicht allzusehr vorrücken; denn die Tage nehmen ab. Ich habe zwei— 
mal mit großem Interesse das schlesische Gebirge besucht, und Du hast 
nebenbei noch einen eigenen Gesichtspunkt, da es Dir von Wert sein 
wird, dich an Ort und Stelle nach den Quellen von Warmbrunn, 
Salzbrunn, Reinerz zu erkundigen. Die vorläufige eigene Anschauung 
kann Dir einmal bei einem Rat, den Du zu geben hast, zu gute 
kommen. In der Glashütte zu Schreiberhau bei Warmbrunn ist viel 
Interessantes zu sehen; aber mir fiel dort besonders die Erzählung 
von dem traurigen Gesundheitszustand der Glasschleifer auf. — Du 
weißt aus der Schweiz, daß man auf den Bergen der Führer nicht 
entbehren kann; spare darin nicht, wo sie nötig sind. 
Ich weiß sehr wohl, wie viel Anstrengung der Gang eines 
jungen Arztes je länger je mehr erfordert, und vertraue, daß Du die 
*) Besonders war die Cholera in dem Lazarett heftig aufgetreten, was aber 
Friedrich den Eltern und Schwestern verschwieg.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.