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1861-1870

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

2506, 
beiten müssen. Um so mehr bedürfen die deutschen Stämme neuer 
Befreundung. Und Ihr lieben Mütter werdet vor allem das Eurige 
thun müssen, um in den Kindern den Groll nicht neu werden zu 
lassen und Vertrauen und Liebe zwischen allen Stämmen unseres Vol— 
kes zu nähren. Aber es wird, so Gott will, schon kommen; dessen 
bin ich gewiß. Zunächst freue ich mich, daß Euer liebes Haus, daß 
Du und die Deinigen alle von dem schrecklichsten Bilde, das es geben 
mag, von dem Bilde einer Schlacht verschont bliebt. Nur das wollte 
ich Dir sagen. Aber eines ist doch ein schöner Gegensatz: das trans— 
atlantische Kabel setzt in großartiger Ruhe, während die Deutschen 
blutig streiten, sein Friedenswerk fort und kommt zum Ziel durch den 
praktischen Verstand und den beharrlichen Willen der Briten. 
Ferdinande an ihren Sohn. 
Den 9. August 1866. 
Vater ist diese Woche noch sehr in der Arbeit und hat mancherlei 
Aufgaben. Er war Sonnabend mit auf dem Bahnhof, den König zu 
begrüßen. (Dienstag war Vater im Namen der Akademie mit Haupt 
und Kummer beim König; Haupt hielt die Anrede, darauf hat der 
König — ganz unvorbereitet — so schön geantwortet.) Wir illumi— 
nierten auch, sahen aber so spät in der Nacht natürlich nichts vom 
Empfange, holten uns aber, ähnlich wie Du, am Sonntag ganz volks— 
tümlich einen freundlichen Gruß von unserem verehrten, geliebten König 
an seinem Palais, als er vom Dom und der Eröffnung der Kammer 
zurückfuhr. Wir hatten nach der Kirche bei Müllensiefen lange patrouil⸗ 
liert und auf einer Bank im Lustgarten gesessen; es war uns aber so 
zu Mut, wir wollten nach der schweren, großen Zeit unseren König 
selbst sehen und begrüßen; wir konnten dann gleich die Thronrede ge⸗ 
druckt dem Vater mit heimbringen, und die mußte einem noch vollends 
das Herz gewinnen. Welche Einfachheit und Demut!! Gott wolle 
uns unseren König noch lange erhalten — und unbeirrt bei seinem 
geraden guten Sinn. Schwere Arbeit ist ihm und dem ganzen Lande 
noch aufbehalten, das hört und sieht man jetzt aller Orten. Aber der 
bisher geholfen und die Sache geführt über Bitten und Verstehen, der 
wird auch weiter helfen, wenn nur überall der rechte Sinn festgehalten 
werden wird. Deinen Amputierten möchte ich mit pflegen können und 
wünsche ihm und Dir für ihn alles Gute. Gott behüte Dich!
	        
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