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Überliefertes und Erlebtes von Ferdinande Trendelenburg

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

und ich sah mit Bewunderung zu ihnen hinauf, besonders wenn sie dabei 
schön und anmutig in ihrem Wesen waren, wie die Töchter des Gene— 
rals d'Albert, der mit einer Verwandten von d'Orvilles verheiratet 
war und ein schönes Haus in Offenbach hatte — oder wie die Töchter 
des Konsuls Koch, die oft in Offenbach bei ihrem Großvater Metzler 
waren. Dieser hatte glänzende Equipagen und seine Remisen, Ställe 
und Kutscherwohnungen umschlossen unseren geräumigen Hof, auf dem 
sich sehr gut spielen ließ. Auch mit den Kutschers- und Nachbars-— 
kindern verkehrten wir; denn wir waren nicht wählerisch und hatten 
bolle Freiheit. Aber am schönsten war es, wenn Kochs Mädchen 
kamen und da mit uns spielten. Es machte ihnen dann Spaß Sonn— 
abend abends ihre Kleider aufzuschürzen und den ganzen Hof mit 
Reiserbesen selbst zu kehren. Das stand ihnen alles so nett, die 
Arbeit machte ihnen rote Backen, und sie sahen mit ihren dunkel— 
glänzenden Augen gar zu hübsch und freundlich aus. — Zwei andere 
Enkeltöchter des alten „Herrn Geheimderat“ waren Auguste und Emilie 
Metzler, mit denen wir lange Jahre viel verkehrten. Auguste sang 
und spielte später vortrefflich, und wir haben viel zusammen gesungen. 
Emilie, ein dickes, munteres Mädel mit wundervollem Lockenkopf, war 
in meinem Alter und recht mein Spielkamerad. In dem herrlichen 
Barten des Großvaters, der hinten dicht am Main einen wunder— 
aren, höchst eleganten Tempel hatte, ein wahres Feenschloß für mich, 
hot sich uns dicht hinter dem Hause ein allerliebstes, verstecktes Spiel— 
plätzchen, von großen Catalpen beschattet, die ich sonst nirgends ge— 
sehen hatte, und die für mich auch einen großen Zauber hatten. In 
dem Hause des alten Herrn, der seine Frau längst verloren hatte, 
war für uns Kinder noch ein Schatz, eine alte, behäbige, liebens— 
würdige Haushälterin „,Jungfer Kraus“, die Emilchen alles zu Ge— 
fallen that und uns mit guten Sachen zu unserer Kocherei versorgte, 
wenn wir zusammen an dem Lieblingsplätzchen saßen. 
Unser Kinderleben war sehr reich und glücklich, aber immer rosig 
konnte es auch nicht bleiben; ich erinnere mich einer Zeit, wo Vater 
biel an Kopfgicht litt und trübe gestimmt war; er lag meist auf dem 
Sofa und hatte den Kopf mit einem seidenen Tuch bedeckt. Die gute 
Mutter hatte Sorge ums Auskommen. Vater hatte durch allzu straffes 
Wesen einige Patienten, Damen, die gern subtil behandelt sein mochten, 
zurückgestoßen. Er war nicht für viele kleine Mittelchen und beson⸗ 
ders nicht für Verweichlichung. Ausschlafen und knappe Diät waren
	        
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