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1850 bis zur silbernen Hochzeit 1861

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

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der Wachstum und Gedeihen gefördert hat. Und wie viel Liebe ist 
Dir und mir in der Fremde geboten und umgiebt uns nun wie ein 
schöner, grüner Wald, in dem unsere Kinder mit geborgen sind und 
Schatten finden. Wolle der liebe Gott diese ganze Pflanzung schirmen 
und behüten und sie unseren Kindern recht fühlbar und lieb werden 
lassen, daß sie Kraft daraus ziehen, selbst wieder zu gesunden Bäumen 
heranzuwachsen, die Schatten und Schirm gewähren. Man kann es 
nicht lassen, an einem solchen Lebensabschnitt auch in die Zukunft 
hinauszuschauen, und in rechter Weise dürfen und sollen wir es ja 
auch. Aber die einzelnen Bilder, die uns unsere geschäftige Phantasie 
da so gern vormalen möchte, dürfen wir doch selten festhalten; immer 
werden wir bald wieder zu der Überzeugung gebracht, daß wir alles 
unbedingt in Gottes Hand legen und ihm anheimstellen müssen, was 
etwa wieder verschwinden soll wie ein Traum, und was wirkliche Ge— 
stalt gewinnen und leben soll. Diese Stille und Geduld wird einem 
jetzt leichter als vor fünfundzwanzig Jahren. Je öfter man Ernte— 
dankfest gefeiert hat, desto vertrauender geht man jedem neuen Früh— 
ling, auch dem im Leben der Kinder entgegen. 
Es geht ein ahnender Frühlingshauch durch diesen Brief — Fer— 
dinandens helles Mutterauge sah im Verborgenen Knospen schwellen und 
dem Licht entgegendrängen. Adolf warnte, sich keiner Täuschung hinzu— 
geben, keinen Wunsch zu nähren, dessen Erfüllung leicht zerrinnen könne; 
er lehrte sie, sich in strengster Zucht halten, stille sein und warten, und 
sie empfing, was ihr Herz sich wünschte: bräutliches Glück für ihre Äülteste. 
Am 3. Oktober 1860 verlobte Marie sich mit Dr. Paul Schmieder, da— 
mals Gymnasiallehrer in Cleve. 
In die Freude der Eltern und das Glück der Brautleute tönte 
der sechsfache Jubel der Geschwister hinein, und so hatte Marie vielleicht 
recht, wenn sie später lächelnd behauptete: mit solcher Freude, wie der 
erste Schwiegersohn, sei keins der folgenden sechs Schwiegerkinder auf— 
genommen worden. 
Es folgten im Winter und Frühling die Zurüstungen zur Hochzeit; 
es war eine besonders stille, gesammelte Arbeitszeit für das Haus — die 
iußere Geselligkeit ruhte, seit am Neujahrstage (1861) dem siechen König 
Friedrich Wishelm IV. die Sterbealocken geläutet hatten. 
Ferdinande an Karoline Trendelenburg. 
Den 25. Januar 1861. 
Der große Schrank für Mariens Aussteuer füllt sich nach und 
nach mit fertigen Sachen: den 5. März hoffen wir Wäsche zu halten. 
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